Resilienzfaktoren bei Kindern – Ressourcen stärken

Resilienzfaktoren für Kinder sind heute notwendiger denn je: Unsere Welt steckt voller Chancen – genauso, wie voller Gefahren. Das Ergreifen von Chancen, bringt automatisch Herausforderungen und nicht selten Leistungsdruck mit sich. Auch emotionale Belastungen, nehmen in unserer Gesellschaft zu. Umso wichtiger sind die folgenden Faktoren der kindlichen Resilienz.

 

Risiko- und Schutzfaktoren der Resilienz

Resilienzfaktoren bei Kindern: Ressourcen stärken

Unsere Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, sondern eine Fähigkeit, die erlernt werden darf. Dabei ist auf Risiko- und Schutzfaktoren zu achten.

  • Schutzfaktoren wirken, wie ein Sicherheitsnetz bei der Bewältigung von Krisen.

  • Risikofaktoren, beschreiben dagegen negative Einflüsse auf eine gute Resilienz. Dabei sind die Dauer, der Zeitpunkt und die subjektive Wahrnehmung entscheidend. 

 

Was versteht man unter dem Begriff „Resilienz“?

Definition und Bedeutung

Innere Stärke bzw. Resilienz bezieht sich nicht auf eine spezifische Eigenschaft oder Fähigkeit. Sie ist vielmehr mit unterschiedlichen Kompetenzen verknüpft, zum Beispiel Geduld, Selbstbewusstsein oder dem Gefühl, mit sich im Reinen zu sein. 

Mentale Stärke umfasst ebenso emotionale Stabilität und eine effektive Emotionsregulation. Das bedeutet, dass wir zwar Ärger oder Traurigkeit empfinden, aber in der Lage sind, mit diesen Gefühlen umzugehen und uns nicht in unangebrachten emotionalen Ausbrüchen verlieren.

 

Die 6 Resilienzfaktoren von Kindern


Selbstwirksamkeit

Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Überzeugung, selbst etwas bewirken zu können. Kinder mit gut ausgebildeter Resilienz glauben daran, die Umwelt und Lebensumstände verändern zu können, und erleben sich als aktiv handelnd.

Selbststeuerung

Beschreibt die Fähigkeit, mit eigenen Gefühlen, Impulsen und Spannungszuständen bewusst umgehen zu können. Hierfür ist es wichtig, dass dein Kind lernt, Gefühle wahrzunehmen, zu benennen und zu regulieren (wie z.B. Angst, Wut, Enttäuschung). Die Selbstregulation ist die Basis, für emotionales Gleichgewicht. 

 

Selbst – und Fremdwahrnehmung

Meint das Erkennen und Verstehen der eigenen Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse, sowie das Hineinfühlen (Empathie) in andere Menschen. Kennt dein Kind sich selbst gut, ist es in der Lage, die Perspektiven und Gefühle anderer zu verstehen.
Die Selbstwahrnehmung ist die Basis, für die Empathie und ein soziales Miteinander. 

Soziale Kompetenz

Hier geht es darum, im zwischenmenschlichen und sozialen Kontext, einfühlsam, respektvoll und lösungsorientiert agieren zu können. Neben der Empathie, kann ein Kind auch konstruktiv mit Konflikten umgehen, Beziehungen aktiv mitgestalten und Freundschaften aufbauen.

 

Problemlösefähigkeit

Beinhaltet die innere Haltung und die Fähigkeit, lösungsorientiert zu denken und zu handeln. Ist diese Kompetenz gut ausgeprägt, lässt sich ein Mensch nicht so leicht entmutigen. Schwierigkeiten sind hier der Ansporn für Ideen, Rückschläge der Grund, nochmal Anlauf zu nehmen. 

Stressbewältigung

Diese gut ausgeprägte Kompetenz macht es möglich, mit belastenden Situationen umzugehen, sich selbst zu beruhigen und, wenn nötig, Unterstützung anzunehmen.

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Eigene Grenzen sind bewusst und können gesetzt werden.

 

Kindliche Resilienzfaktoren – warum sind sie so wichtig?

Die Resilienzförderung setzt ihren Schwerpunkt auf die Ressourcenentwicklung bei Kindern. Individuelle Stärken eine Kindes, sollten von dem Kind selbst herausgestellt werden (z. B. durch Spiele, die die Sinneswahrnehmung im Fokus haben, Bücher/Spiele/Gespräche zu Gefühlen, Verantwortung übertragen durch alters – und entwicklungsgerechte Aufgaben, das Erleben von Grenzen ihrer Fähigkeiten und um Hilfe bitten).

So lernt dein Kind Stressbewältigungskompetenzen mit deiner Unterstützung:

  • Reflektieren stressiger Situationen

  • Vorleben aktiver Bewältigungsstrategien

  • Aufzeigen von Unterstützungsmöglichkeiten

 

Wie resilient ist dein Kind?

Hier sind ein paar Impulsfragen für dich, mit denen du schauen kannst, wie resilient dein Kind bereits ist:

  1. Kann dein Kind Kritik annehmen und aus Fehlern lernen, ohne sich selbst infrage zu stellen?

  2. Ermutigst du dein Kind zur Lösungsorientierung bei Problemen? Greifst du schnell ein und nimmst ihm viel ab?

  3. Wie reagiert dein Kind bei Misserfolg? Kann es gut damit umgehen oder eher weniger?

  4. Hat dein Kind häufig das Gefühl, etwas selbst bewirken zu wollen und zu können?
    Oder fühlt sich dein Kind häufig ausgeliefert und verlässt sich auf seine Umgebung?

  5. Fühlt es sich in der Wut und Trauer gehört und verstanden?

  6. Wie reagiert dein Kind auf eine Enttäuschung oder Veränderung? Bleibt es gelassen oder ist es schnell überwältigt?

 

15 Prinzipien, um Resilienz bei Kindern zu fördern


Bedingungslose Liebe und sichere Bindung

Dein Kind braucht das Gefühl, angenommen zu sein. Unabhängig von Leistung und Verhalten. Die sichere Bindung zu seinen Bezugspersonen ist sein „sicherer Hafen“. Seine Bedürfnisse sind ernst zu nehmen. Nähe (emotional und körperlich) und Fürsorge sind ebenso wichtig, wie Freiraum und Selbstständigkeit. 

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Fehler als Chancen sehen

Ein entspannter Umgang mit Misserfolgen, stärkt den Selbstwert. Hier entsteht ein „Growth Mindset“ = Mut zur Entwicklung und Rückschläge als Teil des Lernprozesses.


Selbstwirksamkeit fördern

Wenn dein Kind erlebt, dass sein Handeln etwas bewirkt, stärkt sich sein Selbstvertrauen und sein Selbstwertgefühl. Genauso wichtig ist es, eigene Entscheidungen zu treffen. Hier ist der Weg das Ziel.


Problemlösungskompetenz

Frage hier gern mehr: „Was könntest du tun?“, statt schnell einzugreifen.


Emotionale Intelligenz

Rege dein Kind aktiv zum Nachdenken an. Zum Beispiel durch Fragen, wie: „Was denkst du, wie fühlt sich…?“


Positives Vorbild

Agiere im Alltag stets als Wegweiser für dein Kind. Das könnte in einem Moment der Überforderung zum Beispiel so aussehen, dass du ehrlich und klar kommunizierst: „Ich brauche einen Moment Ruhe, dann geht es mir wieder besser.“


Soziale Fähigkeiten

Schaffe viele Möglichkeiten für dein Kind, um sich mit anderen Kindern zu vernetzen.


Optimismus und Dankbarkeit

Es gibt immer was, das gut ist. Lege den Fokus auf das Schöne und die Hoffnung.


Verantwortung und Eigenständigkeit

Übertrage deinem Kind alters- und entwicklungsgerechte Aufgaben, wie das Tischdecken etc. Lerne, die Kontrolle abzugeben.


Körperliche und mentale Gesundheit

Ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, und dein Kind ist ausgeglichener und belastbarer.


Humor als Ressource

Lachen ist gesund. Und wie. Über sich selbst lachen können, bringt Leichtigkeit ins Leben, man kann eine Herausforderung mit Distanz betrachten und Lachen macht uns emotional flexibler.


Frustrationstoleranz

Zeige deinem Kind, dass es wichtig ist, weiterzumachen, wenn es schwer wird.


Achtsamkeit und Entspannung

Baut euch Ruheinseln und einen „Safe Place“ in euren Alltag ein. 


Flexible Denkweisen

Rege dein Kind dazu an, neue Wege zu suchen. Flexibles Denken, hält die Handlungsfähigkeit aufrecht.


Gemeinschaftsgefühl

Verlässliches Miteinander gibt inneren Halt. Das können gemeinsame Rituale, wie Spieleabende, Kinoabende oder Vorlesezeit sein, aber auch gemeinsame Mahlzeiten. 


Quellen:

1) W. Berger: Resilienz bei Kindern (nifbe), Co-Autorin: Michaela Kruse
2) Save the Children: Belastungen erkennen und handeln – Resilienz fördern bei Kindern und Jugendlichen, PDF zum Projekt „Gemeinsam handeln – Geflüchtete Kinder und Jugendlichen stärken“
3) Dr. N. Gürbüz-Bicakci: Resilienz (Teil 1): Wie Kinder Krisen meistern lernen – Die 6 Resilienzfaktoren verständlich erklärt

Svenja Gleffe – Redaktion Deutsche Lebensbrücke

Svenja ist ausgebildete Pädagogin, studierte Fachkraft für frühkindliche Entwicklungsberatung und schreibt als Autorin über Erziehung und Kinderpsychologie. Sie unterstützt unsere Redaktion mit fundierten Fachtexten zu Kinderschutz und Kindesentwicklung. Ihr Motto: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen!“ (Aristoteles)

Co-Autorin: Tamara Niebler, freie Journalistin und seit mehreren Jahren Teil des Redaktionsteams der Deutschen Lebensbrücke.

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