Viel mehr als eine Scheibe Brot

Frühstück ist fertig!“ – Ein magischer Satz. Du denkst „duftende Brötchen, lecker belegt, knackiges Obst, knuspriges Müsli“ – und dein Tag fängt an, dir Spaß zu machen. Egal, was nach dem Frühstück kommt, Arbeit oder Schule – du hast die Energie, um voll durchzustarten.

 

Kinderfrühstück ist keine Selbstverständlichkeit

Viel mehr als eine Scheibe Brot

Schön, wenn das so ist! Super, wenn dich daheim jemand an den gedeckten Tisch ruft und du dir einfach nehmen kannst, worauf du jetzt gerade Appetit hast.

Immer mehr Kids in Deutschland haben dieses Glück leider nicht. Zuhause gibt es niemanden, der ihnen morgens vor oder mittags nach der Schule was zu essen hinstellt. Und statt eines Pausenbrots gibt’s höchstens Geld, um sich was zu kaufen – wenn überhaupt.

In immer mehr deutschen Städten bietet die Deutsche Lebensbrücke deshalb Frühstücksklubs und Mittagstische an. Hier können sich die Kinder nach Herzenslust sattessen – nicht alleine, sondern mit ihren Freundinnen und Freunden. Da schmeckt’s gleich doppelt so gut. Die private Kinderhilfsorganisation finanziert diese Projekte durch Spenden.

 
 

Ehrenamtliche Helfer & ihre Geschichte

Aber wer bereitet den Kindern das Essen zu? Wer steht an jedem Schultag um halb sechs auf, schmiert Brote, schnippelt Obst und Gemüse in appetitliche Häppchen, backt auch mal Waffeln und stellt Wasser und Saft bereit?

Das sind unsere ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Natürlich erhalten sie eine angemessene Aufwandsentschädigung. Aber die alleine ist für sie nicht der Grund, warum sie das machen.

Zuverlässig. Tag für Tag.

Wir möchten euch hier ein paar von unseren Ehrenamtlichen vorstellen. Lest die Geschichten hinter ihrem Engagement und warum ihnen ihre Aufgabe so ans Herz gewachsen ist.

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Medina

Medina, ehrenamtliche Helferin in unserem Frühstücksklub

Medina ist 52, verheiratet, sie hat zwei erwachsene Töchter und drei Enkelkinder. Sie ist während des Balkankriegs nach Deutschland gekommen und geblieben. Ihr Mann hat einen festen Job.

Sobald die Kinder im Kindergarten waren, hat auch Medina gearbeitet. Als Reinigungskraft, meistens. Jetzt ist ihr Mann in Rente, aber sie gehen nicht zurück nach Bosnien, nur im Urlaub.

Ihr Familienmittelpunkt ist längst hier in München.

Nachmittags kümmert sie sich oft um ihre Enkelkinder.

Aber morgens hat sie Zeit. Sie war schon immer eine Frühaufsteherin. Auch, als sie gearbeitet hat, hat sie immer darauf geachtet, dass ihre Mädchen etwas gegessen haben, bevor sie sich auf den Schulweg machten.

Am Abend war das gemeinsame Essen der Moment, an dem sie über den vergangenen Tag gesprochen haben. Die Mädchen haben von der Schule erzählt, der Vater – wenn er da war und keinen Schichtdienst hatte – von seiner Arbeit, und Medina hatte zugehört, manchmal getröstet, einen Rat gegeben, vor allem hatten sie miteinander gelacht.

 

Medina weiß von ihren Enkelkindern, dass das Leben heute in vielen Familien anders läuft.

Dass oft keine Zeit für gemeinsame Momente bleibt.

Auch Medina und ihr Mann hatten nie sehr viel Geld. Aber sie kamen über die Runden. Und sie waren immer zu zweit. Heute reicht es oft trotz Vollzeitarbeit kaum, es gibt viele Alleinerziehende.

Die Mieten sind hoch, die Kosten für das, was die Kinder brauchen, auch. Das erste, was auf der Strecke bleibt, weiß Medina, sind scheinbare Kleinigkeiten. Das Frühstück. Ein Pausenbrot. Vor allem: Zeit zusammen mit der ganzen Familie.

Als die Deutsche Lebensbrücke in der Schule ihres Enkelkindes einen Frühstücksklub eröffnete und ehrenamtliche Helfer*innen suchte, meldete sich Medina.

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„Ich möchte den Kindern etwas Gutes schenken. Einen schönen Moment am Anfang vom Tag“, sagt Medina

Ich möchte den Kindern etwas Gutes schenken. Einen schönen Moment am Anfang vom Tag“, sagt sie.

Wenn ein Kind zum ersten Mal in den Frühstücksklub kommt, steht es schüchtern vor den Tischen mit dem Essen und traut sich nicht, zuzugreifen.

Dann tue ich einfach erst mal was auf den Teller“, erzählt Medina. “Ich frage: Mast du Wurst oder lieber Käse? Viele Kinder sind es nicht gewohnt, morgens Obst oder Gemüse zu essen.

Ich bereite deshalb ein paar Brote vor, mit Butter, einer Scheibe Käse, zwei Tomatenhälften als Augen und einer halben Gurkenscheibe als lachendem Mund. Das essen die Kinder gerne.

Den Apfel schneide ich in kleine Stückchen, da passt eines gut in eine Kinderhand. Am Anfang setzen sie sich oft noch alleine an einen Tisch und essen sie ganz wenig.

Aber schon nach ein paar Tagen werden sie von den anderen begrüßt, sie sitzen mit den anderen zusammen, lachen und essen viel mehr.

 

Medina ist sicher, dass „ihre“ Frühstücksklub-Kids besser durch den Schultag kommen.

„Weil sie schon am Morgen so viel gelacht haben. Weil sie satt sind, vom Essen und vom Reden. Das brauchen Kinder. Nicht nur Kinder. Das brauchen alle.”

Von dem, was übrig ist, macht Medina Pausenbrote. Denn der Schultag ist lang. Die Kinder nehmen sich gerne etwas mit. Und auch die Äpfel.

„Aber am liebsten mögen die meisten Gurke. Die ist so schön saftig und mild.“

 

Inzwischen kennt Medina ihre Kinder

Sie merkt schon an der Art, wie sie in den Frühstücksraum kommen, wie es ihnen geht. Ob sie hereinstürmen, den Ranzen auf den Boden werfen und schnell einen Platz neben der Freundin oder dem Freund ergattern.

Oder ob sie langsam gehen, fast schleppend, und sich wie ein Sack auf den Stuhl plumpsen lassen. „Wenn sie dann nach vorne kommen, um sich einen Teller zu holen, frage ich: Was ist los?“

Manchmal ist das Kind einfach noch müde oder hat verschlafen. Manchmal gab es Streit mit den Geschwistern, oder die Eltern haben geschimpft.

Egal was es ist, nach ein paar Minuten in dem bunten Gewusel ist der Kummer meistens schon vergessen und die Müdigkeit verflogen. Es gibt ja auch immer so viel zu erzählen!

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Ein zuverlässiger Anker im Alltag

Medina steht um halb sechs auf. Um halb sieben ist sie in der Schule, stellt Teller, Becher, Besteck und Servietten auf die Tische, holt das Essen aus den Schränken und dem Kühlschrank und bereitet alles für die Kinder vor.

Die ersten kommen schon um kurz nach sieben, die letzten gerade noch vor dem ersten Klingeln der Schulglocke. Aber auch für sie ist noch genügend da, um sich vor dem Unterricht satt zu essen.

Um Viertel nach acht ist alles wieder aufgeräumt und sauber. Medina geht nach Hause und trinkt erst mal ganz in Ruhe den Kaffee, den ihr Mann inzwischen gekocht hat.

 
Petra Windisch de Lates, die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Lebensbrücke

Petra Windisch de Lates, die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Lebensbrücke, weiß genau, was sie an Medina hat:

Menschen wie Medina sind das Herzstück unserer Frühstücksklubs. Ohne sie und ihre vielen ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen würden unsere Frühstücksklubs und Mittagstische nicht laufen.

Nicht nur, weil zuverlässiges Personal das A und O ist, damit die Kinder wirklich täglich ihr Essen bekommen. Auch wegen der liebevollen Freundlichkeit, mit der sie jedes Kind jeden Morgen empfangen, begleiten und in den Schultag hinausschicken.

Das ist mindestens genauso wichtig wie das Brot!“

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MaJa Boselli

MaJa hat Romanistik und evangelische Theologie studiert. Sie schreibt seit über 20 Jahren Fachartikel im sozialen Bereich. Von praktischen Themen wie Kinderhilfe bis hin zur Sozialpolitik. Außerdem bloggt und twittert sie leidenschaftlich, seitdem es soziale Netzwerke gibt. Ihre Spezialität: so lange am Thema dranbleiben, bis allen alles klar ist. Ihr Motto: “ich schreibe, also bin ich.”

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