Warum Eltern heute so verunsichert sind
Kindheit verändert sich. Auch heute ist vieles anders, als es noch die Millennials (1980–1995) oder die Kinder der „Generation X“ (1965–1980) kennen. Vom Süßigkeitenregal bis hin zur Begleitung in der Kindheit, hat sich einiges in unserem Bild vom Kind getan. Ist anders jedoch immer schlecht? Sollte vielleicht doch mehr Autorität, in den heute so „bedürfnisorientierten“ Stil? – Hier beginnt das, was viele Mütter und Väter als innere Zerrissenheit erleben: Warum bin ich als Elternteil heute so verunsichert, obwohl ich doch „alles richtig“ machen möchte?
Verunsicherung durch Fortschritt?
Wenn du dich zurückerinnerst an deine Kindheit und deine Jugend: Wie viel Gewicht hatte das, was Mama und/oder Papa gesagt haben?
Hast du es auch gewagt, hin und wieder nach dem Grund zu fragen, und als Antwort, den Satz zu hören bekommen: „Weil ich es sage“?
Dann ist dieser Artikel hier für dich. Denn genau dieser Satz und noch viele weitere Statements, werden heute genauer unter die Lupe genommen.
Und zwar mit dem Fokus auf: Was bewirkt ein solcher Satz eigentlich in der Psyche des Kindes, das ihn hört – und warum sorgt genau dieser Unterschied im Umgang mit Kindern heute für so viel Verunsicherung bei Eltern?
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Früher war alles besser – Wirklich?
Erinnern wir uns doch mal an den hohen Grad der Autorität und Fremdbestimmung, der wir als Kinder häufig ausgesetzt waren. An die Vorstellungen unseres sozialen Umfelds, für welchen Bereich wir beruflich geeignet wären und wie wir uns zu kleiden und zu verhalten haben.
Die Urlaube wurden dort gemacht, wo Mama und Papa hinwollten. Mitspracherecht: selten bis gar nicht.
Widersprechen hatte Folgen, zum Beispiel berühmte Aussagen, im Stil von:
„Du bist noch zu klein, um das entscheiden zu können“
„Das Leben ist kein Wunschkonzert“
oder sehr beliebt: „Weil ich es sage.“
Unsere Eltern hatten automatisch mit ihrer Rolle als Elternteil, die Autorität und das volle Bestimmungsrecht. Natürlich bekommen wir heute häufig den Eindruck, dass früher alles besser war.
Früher war augenscheinlich der Vorteil, dass Kinder sich mehr an Regeln hielten, Entscheidungen schneller getroffen wurden und Familien „besser strukturiert“ waren.
Mit den heutigen Kenntnissen und Einsichten, sieht es jedoch so aus:
Nur weil wir Kinder keine Stimme hatten und uns der Erwachsenenwelt anpassen und unterordnen mussten, sieht es für viele so aus, als wäre früher auch die „Erziehung“ besser gewesen. Wirklich?
Fällt es dir heute manchmal noch schwer, über deine Gefühle zu sprechen, deine Meinung zu äußern, oder ertappst du dich häufiger dabei, wie du deine Handlungen ungefragt, aus dem Stehgreif, mit einer 3-stündigen Power-Point-Präsentation gestützt, rechtfertigst?
Weißt du oft selbst nicht, was du möchtest oder eben nicht, oder fällt es dir schwer, genau das zu kommunizieren?
Nimmst du häufig „gut gemeinte Ratschläge“ an und setzt diese sofort um, obwohl du gar nicht um Rat gebeten hast?
Ist es für dich herausfordernd, „Nein“ zu sagen und Grenzen zu setzen?
Wenn du vieles davon für dich mit „Ja“ beantworten kannst, war dann früher wirklich alles besser? Oder zeigt es vielmehr, warum Eltern heute so verunsichert sind, wenn sie plötzlich alles „anders“ machen sollen als damals?
Heute spielt ein solch hohes Maß an Autorität in Familien immer weniger eine Rolle. Was sehr positiv ist.
Gesellschaftliche Veränderungen
Auch in unserer Gesellschaft, hat sich insgesamt viel getan. Kinder werden nun immer bewusster wahrgenommen, ihnen wird zunehmend signalisiert, dass ihre Meinung wichtig ist. Sie haben Mitbestimmungsrecht und dürfen alle Gefühle zeigen.
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Da Kinder somit in die Entfaltung ihrer Persönlichkeit kommen dürfen und nicht mehr gebremst werden, indem sie nach den Vorstellungen der anderen leben und bloß darauf achten sollen, dass die Nachbarn*innen nichts Schlechtes denken, hinterfragen Kinder viel. Sie hinterfragen, um zu verstehen, weniger um respektlos zu sein.
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Und genau dieser Fortschritt führt bei Eltern, die es ganz anders in Erinnerung haben, zur Verunsicherung. Und wir als „Urgesteine“ stehen dort und wissen nicht, was zu tun ist. Nicht, weil wir es grundsätzlich nicht wissen, sondern weil unser Gehirn noch eine veraltete Software fährt, die dringend aktualisiert werden muss. Denn, wir können nicht nach vorn laufen und nach hinten denken.
Hauptgründe der Verunsicherung
Informationsflut: Früher machten es Eltern einfach wie ihre eigene Generation. Heute gibt es unzählige Erziehungstipps. Diese widersprechen sich oft, was zu großer Verwirrung führt.
Höhere gesellschaftliche Ansprüche: Kinder sollen individuell gefördert werden, gleichzeitig wird von den Eltern erwartet, im Beruf erfolgreich zu sein und eine perfekte Partnerschaft zu führen. Das führt zu viel Stress.
Angst vor Fehlern: Viele Eltern haben Angst, durch eine falsche Entscheidung die Entwicklung ihres Kindes negativ zu beeinflussen.
Soziale Medien: Auf Plattformen wie Instagram oder TikTok wird oft ein unrealistisches Bild von der „perfekten Familie“ gezeigt. Der ständige Vergleich damit erzeugt Selbstzweifel.
Verunsicherung als Eltern
Normales Begleitsymptom außerhalb der Komfortzone
Aber, wenn es richtig ist, wieso bin ich dann unsicher und fühle mich unwohl? Weil Wachstum und Weiterentwicklung dort beginnen, wo die Gewohnheit endet.
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Wir Menschen sind von Natur aus Entdecker und haben schöpferische Fähigkeiten. Wir lieben Abenteuer und kindliche Neugier. Jedoch passt genau das nicht, in das Bild, das merkwürdigerweise „Gesellschaft“ genannt wird. Denn würden wir diese Fähigkeiten allesamt beibehalten, wären wir weniger steuer- und kontrollierbar.
Die bisherigen, scheinbar wunderbaren „Erziehungsstile“ bewirkten eines: Es wurde uns aberzogen und durch Gehorsam, Leistung und Funktion ersetzt. Das wurde für uns zur Gewohnheit und es gibt keinen kuscheligeren Ort als die Komfortzone. Denn da ist es sicher.
Das Verweilen in der Komfortzone, suggeriert unserem Gehirn Sicherheit. Unser Gehirn, spielt uns also selbst einen Streich. Denn die Komfortzone, ermöglicht kein Wachstum, keine Veränderung, keinen Fortschritt.
Denn Wachstum bedeutet: Anstrengung, Wollen, Ausdauer, Geduld, Fort- und Rückschritte, Schmerz begegnen, aushalten, heilen, hinterfragen, eigene Verhaltensmuster reflektieren, sich selbst Fehler eingestehen, Mut zur Veränderung.
Aber, hast du den Mut zur Veränderung, erwartet dich:
Freiheit, echte Liebe mit Tiefgang, Selbstbewusstsein, mentale Stärke, Emotionen in Balance, Leichtigkeit, Selbstverständnis, gestärkte Empathie, Abenteuerlust, Vergebung, echte Sicherheit, Klarheit, Optimismus.
Jeder von uns, wünscht sich echte Liebe und Sicherheit, jeder möchte eine bessere Welt, jeder möchte ein friedliches Miteinander. Das alles ist möglich und überhaupt nicht die Frage nötig, ob es das gibt oder ob das funktioniert.
Die Frage ist: Was bist du bereit, dafür zu tun und zu verlieren?
Denn Wachstum, bringt immer den Verlust mit. Verlust, von nicht mehr dienlichen oder veralteten Normen, Werten, Glaubenssätzen, Vermutungen, Freundschaften oder Beziehungen, die dysfunktional sind etc.
Dein Kind in das Leben zu begleiten, statt so zu „erziehen“, wie du es selbst kennst, geht mit der Aufarbeitung deiner „Erziehung“ einher. Das ist sehr wertvoll, um zu verstehen, warum Eltern heute so verunsichert sind – und wie du diese Verunsicherung Schritt für Schritt in Klarheit verwandeln kannst.
Kinder lernen an deinem Beispiel
Es hinterfragt nicht, ob das richtig ist, wie du mit Stress, Konflikten und anderen Menschen umgehst. Es beobachtet ganz genau deine Handlungen, und Mimik und studiert deine Gestik.
Du hast also schon längst großen Einfluss auf dein Kind. Da braucht es nicht mehr an Autorität.
Und um Missverständnisse zu vermeiden: Natürlich, sind Grenzen nach wie vor wichtig. Denn sie geben, genauso wie Regeln, Orientierung und Sicherheit.
Das Entscheidende ist, wie diese vermittelt werden. Auch in der Bindung zu deinem Kind, gibt es ein Geben und ein Nehmen. Gibst du deinem Kind das Gefühl, ernst genommen und gesehen zu werden, wird dein Kind dich und deine Ansichten, Werte etc. ernst nehmen und diese übernehmen.
Mehr erfahren » Bedürfnisorientierte Erziehung
Eltern sein ist schwer in der heutigen Zeit
Klar, die heutige Belastung für dich und für dein Kind, ist sichtbar. Genau diese hohe Belastung, die vielen Erwartungen und der ständige Vergleich mit anderen, verstärken das Gefühl, überfordert zu sein, und erklären, warum Eltern heute so verunsichert sind.
Jedoch ist es umso wichtiger für euch, aus eurer Bindung einen Ankerplatz zu kreieren.
Ein Platz, an dem ihr dem hektischen Alltag draußen entkommt, handy- und digitalfreie Zeit miteinander verbringt, gemeinsam zur Ruhe kommen könnt und euch so akzeptiert, wie ihr seid.
Für dich als Elternteil, sind solche regelmäßigen Auszeiten, ein absolutes Muss. Der Alltag und auch die Herausforderungen bzw. Erwartungen daran, was wir als Menschen zu leisten imstande sein sollten, sind unglaublich hoch.
Bereits mit Eintritt in die Kita, wird von einem 2‑jährigen Kind erwartet, dass es einen 8 bis 9 Stunden-Tag mit unbekannten Menschen und einem Lärmpegel eines startenden Düsenjets meistert.
Mehr erfahren » Eingewöhnung in die Kita: Ablauf und Tipps
Hinzu kommen dann noch, andere Schlafenszeiten, Gerüche, Stimmen, Geräusche, Rituale und Regeln, als zu Hause.
Kitas sind jedoch mit den richtigen Rahmenbedingungen und professionell ausgebildeten, empathischen pädagogischen Fachkräften ein wunderbarer Ort. Ein Ort der Sicherheit, Geborgenheit und des Verständnisses und des Schutzes, für die ganze Familie. Ein Platz der Ruhe und Begegnung, für alle.
Jedoch ist dies zurzeit leider weniger, bis gar nicht der Fall.
Daher ist es wichtig und wertvoll, dass ihr gemeinsam eure Insel seid.
Fazit: Verunsicherte Eltern
Während man früher strenger war und auf feste Regeln setzte, stehen heute die emotionale Bindung und die freie Entfaltung des Kindes im Vordergrund. Dieser Wechsel von Gehorsam zu einer partnerschaftlichen Erziehung ist eine Herausforderung für uns Erwachsene. Insbesondere weil wir von Gesellschaft und Umfeld ambivalente Botschaften erhalten.
Du musst das nicht alles heute lösen. Und du musst es schon gar nicht perfekt machen. Wichtig ist: Du bist da. Du liebst dein Kind. Du machst dir Gedanken. Genau das macht dich zu einer starken Mutter oder zu einem starken Vater.
Quellen
1) „Brauchen wir Eltern heute mehr Autorität?“; Anne Walkowiak
2) „Die erschöpfte Generation: Warum es junge Eltern heute so schwer haben“; Katharina von Ruschkowski und Sebastian Witte
3) „Kids.doc: Eltern sind heute extrem verunsichert“; Julia Maria Schulters

