Ich-Kompetenz beim Kind: der Weg zur eigenen Identität

Die Ich-Kompetenz ist nicht nur ein wichtiger Baustein für innere Balance und den zwischenmenschlichen Umgang, sie ist auch fester Bestandteil unseres Selbstbewusstseins.

Ich-Kompetenz beim Kind: der Weg zur eigenen Identität

Die Reise zum Ich

Eine gut ausgebildete Ich‑Kompetenz ermöglicht es einem Kind, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse, sowie Ziele zu erkennen.

Bevor es jedoch so weit ist, passiert einiges: In den ersten Lebenswochen, empfindet sich ein Baby noch völlig eins mit dir als Mutter. Gleichzeitig macht es im Miteinander mit dir die Erfahrung, dass es etwas bewirken kann.

Da deine Reaktionen für dein Kind einem Spiegel gleichen, ist es mehr und mehr in der Lage, sich selbst zu fühlen. Im 2. bis 3. Lebensmonat erlebt dein Kind seinen Körper als etwas Eigenes. Durch diese Unabhängigkeit, entwickelt es bald ein Selbstbild.

 

Was bedeutet Ich-Kompetenz bei Kindern?

Ich-Kompetenz, alias Selbstkompetenz, ist eine ganz wesentliche Grundlage für die gesunde Entwicklung eines Kindes. Sie beschreibt die Fähigkeit, sich selbst und die eigene Persönlichkeit zu verstehen, Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.

Diese Kompetenz bildet sich aus mehreren Bereichen heraus, die zusammen ein starkes „Ich“ formen: Selbstkenntnis, Selbstwertgefühl, Selbstwirksamkeit / Selbstvertrauen, Gefühlskompetenz.

 

Mit dem Gefühlsleben reift auch das Selbst heran

Ungefähr ab dem 2. Lebensjahr beginnt die wertvolle und wichtige Autonomiephase, in der dein Kind seinen eigenen Willen entwickelt. Zum Ende dieses Lebensjahres, erkennt sich dein Kind erstmals im Spiegel.

Die Entdeckung des „Ichs“ ist wertvoll für dein Kind, jedoch auch hin und wieder überwältigend. Es erlebt, dass es etwas wollen darf und zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen kann. Dein Kind möchte viele Dinge allein tun. Auch, wenn es diese noch nicht kann. Dieser Zustand, ist häufig frustrierend. Da kocht manchmal ein Vulkan aus Wut, Enttäuschung, Frustration und unbeugsamem Willen hoch.

Diesen Mix an Emotionen, kann dein Kind bereits erleben, jedoch noch nicht regulieren. Hier braucht dein Kind deine helfende Hand, Lob und Ermutigung.

 

Ich-Kompetenzen bei Kindern fördern

5 wertvolle Tipps


Erkenne die Leistungen deines Kindes an

Wenn du Anerkennung und Wertschätzung zeigst, sind das für dein Kind, Streicheleinheiten für die Seele. Jede Anerkennung und jede Wertschätzung, fördert das innere Wachstum deines Kindes. Gerade dann, wenn es sich täglich der Erwartungshaltung der Schule stellen oder sich mit Konkurrenzkampf auseinandersetzen muss. Achte daher darauf, dein Kind mindestens einmal am Tag wissen zu lassen, dass es etwas gut gemacht hat.

Vgl. Resilienzstärkung im Alltag für die Familie

Hier ein Beispiel: Dein Kind springt in hohem Bogen mit seinen frisch geputzten Schuhen in eine Pfütze…

  • Lieber: „Prima, wie hoch du springen kannst!“

  • Statt: „Na toll, jetzt hast du die Schuhe wieder dreckig gemacht!“


Frag dein Kind gern nach seiner Meinung

Indem du die Meinung deines Kindes in den Alltag einbeziehst, fühlt sich dein Kind angenommen und als wichtiger Teil. 

Hier ein paar Beispiele:

  • „Was wollen wir morgen essen?“

  • Wann wollen wir… besuchen?“

  • Was schenken wir … zu Weihnachten?“


Lass deinem Kind Freiräume

Dein Kind benötigt ein stabiles Gleichgewicht, zwischen Zeit allein oder mit Freunden. (Vgl. Was Kinder brauchen) Denn weniger beobachtet und kontrolliert zu sein, ruft in deinem Kind das Verantwortungsgefühl für das eigene Handeln wach.

Spielt dein Kind mit Freunden in seinem Zimmer, achte gern auf die Privatsphäre deines Kindes und klopfe vorher an. 


Übertrage alters – und entwicklungsgerecht Verantwortung 

Selbstbewusst und selbstwirksam leben, lernt dein Kind nur, wenn es Entscheidungen selbst treffen kann und die Konsequenzen dafür tragen lernt. 

Hier ein paar Beispiele:

  • Kontrolliere nicht jeden Tag, ob dein Kind die Hausaufgaben erledigt hat. So kann es erfahren, was passiert, wenn es diese nicht macht. 

  • Wenn dein Kind unter keinen Umständen eine Jacke anziehen möchte, obwohl es draußen kalt ist, lass es ohne Jacke nach draußen gehen. So kann es die Erfahrung machen, dass es frieren wird. Es wird sich die Jacke dann von allein holen. 

  • Lass dein Kind gern immer mehr das Waschen und Zähneputzen eigenverantwortlich übernehmen. 


Vermeide Vergleiche

Jedes Kind ist ein Individuum und entwickelt sich genauso einzigartig. Vergleiche bezüglich anderer Kinder sind also nicht nur unlogisch, sondern mindern das Selbstwertgefühl eines Kindes immens. 


 

Das Selbstbild im Kindesalter

Das Selbstbild von Kindern entwickelt sich in einem dynamischen Prozess, der kognitive, soziale und emotionale Aspekte vereint. Es beeinflusst, wie Kinder sich selbst wahrnehmen, welches Vertrauen sie in ihre Fähigkeiten haben und wie sie auf Herausforderungen reagieren.

Das Selbstkonzept eines Kindes enthält alle Eigenschaften, die es definieren. Dazu gehören vor allem Gefühle und Bedürfnisse sowie Erfahrungen. Doch auch Informationen, wie das eigene Alter oder die Körpergröße gehören dazu.

Ein realistisches, unterstütztes Selbstbild ist wichtig für Resilienz, Lernmotivation und soziale Beziehungen.

 

Fazit: Ich-Kompetenz von Kindern

Die Erlebnisse und Erfahrungen aus unserer frühen Kindheit sind prägend und spielen für die Pubertät (Adoleszenz) eine bedeutsame Rolle. Durch aufmerksames Zuhören und Rückmeldung, stärkst du das Selbstbewusstsein deines Kindes.

Durch das Akzeptieren und Tolerieren der eigenen Stärken und Förderbedarfe, wird dein Kind zu einem selbstsicheren Menschen, der sich selbst vertraut.


Quellen:

1) Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit: Auf dem Weg zum Ich: Selbstwahrnehmung und Ich-Entwicklung beim Kind (kindergesundheit-info.de)
2) Redaktion Pro Kita-Portal (2024): Selbstwertgefühl und Identität: Kinder in ihrer Persönlichkeit stärken
3) Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn: Ich-Kompetenz stärken: Fördern Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes

Svenja Gleffe – Redaktion Deutsche Lebensbrücke

Svenja ist ausgebildete Pädagogin, studierte Fachkraft für frühkindliche Entwicklungsberatung und schreibt als Autorin über Erziehung und Kinderpsychologie. Sie unterstützt unsere Redaktion mit fundierten Fachtexten zu Kinderschutz und Kindesentwicklung. Ihr Motto: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen!“ (Aristoteles)

Co-Autorin: Tamara Niebler, freie Journalistin und seit mehreren Jahren Teil des Redaktionsteams der Deutschen Lebensbrücke.

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