Schulangst, was tun?
Schulangst bei Kindern ist weiter verbreitet, als viele denken. Darum wird das Problem auch oft unterschätzt: Schulangst hat nämlich massive Auswirkungen auf Lernen, soziale Beziehungen und die psychische Gesundheit. Frühe Wahrnehmung und angemessene Unterstützung durch Eltern, Lehrkräfte und Fachpersonen sind entscheidend.
Ist Schulangst eine Übertreibung oder Realität?
Die Schule… Ein aufregender, spannender Ort, an dem Selbstständigkeit auf unbegrenzte Möglichkeiten trifft.
Doch das empfinden nicht alle Kinder so. Denn diesen macht genau dieser Ort, der für viele nach Freiheit riecht, regelrecht Angst. Die Angst vor allem, was mit dem Begriff „Schule“ zusammenhängt, macht ihnen häufig Bauchschmerzen. Allein der Begriff „Schule“ löst in ihnen Panik aus.
Nein, Schulangst ist kein Trend oder eine Übertreibung. Vielmehr handelt es sich um eine ernst zu nehmende Angst bei Kindern.
Denn diese Angst, kann sich verfestigen und im weiteren Leben in jeder Situation zeigen, die dieser Angst ähnelt: Fahrschule, Musik – und Tanzschule, Praktikum, Ausbildung, Studium etc. Eine nicht ernstgenommene Angst, kann schnell in eine Angststörung oder Depression münden und im Alltag stark beeinträchtigen.
Wie sich Schulangst für Kinder anfühlt
Die Schule ist der erste Ort, an dem dein Kind Leistung bringen muss, um in die nächste Klasse/Stufe versetzt zu werden. Es ist der erste Ort, an dem es auf sich allein gestellt ist. Denn die Betreuung der Lehrkräfte und pädagogischen Fachkräfte der OGS, lässt sich keinesfalls mit dem „behüteten und geschützten“ Rahmen einer Kita vergleichen.
Mehr erfahren » Leistungsdruck & Gesellschaft – Auswirkungen auf Kinder
Häufig werden Kinder in den Schulen trotz fehlender Meldung, zu einer mündlichen Beteiligung aufgefordert, wenn nicht sogar gedrängt.
Und das, vor der gesamten Klasse.
Bereits morgens fängt der Druck an, wenn dein Kind überlegt, was wohl seine Freunde/Freundinnen oder die Mitschüler/innen zu seinem oder ihrem Outfit sagen.
Wird es heute in den Pausen Anschluss finden? Sind seine/ihre Freunde/innen heute in der Schule? Wird heute der unangekündigte Test geschrieben?
Ob es heute bei der Besprechung der Hausaufgaben aufgerufen wird, um diese vorzulesen? Denn das möchte es gar nicht.
Ist es das einzige Kind in der Klasse, welches die Aufgabe nicht verstanden hat? Wird es Ärger bekommen?
Hoffentlich muss es heute in Mathematik nicht wieder etwas an der Tafel vorrechnen, von dem es nichts versteht. Heute bekommen alle die Klausur korrigiert zurück. Hoffentlich liest die Lehrkraft nicht wieder die Noten der Schüler/innen laut vor der Klasse vor.
Diese und viele weitere Gedanken, gehen einem Kind durch den Kopf, das Schulangst hat.
Was ist Schulangst?
Symptome von Schulangst
Verschlossenheit – blockt bei dem Thema „Schule“, „Freunde“ oder der Frage „Wie war es in der Schule?“, etc.
Abgrundtiefe Traurigkeit
Energielosigkeit
Keine Freude oder Freunde
Verheimlichung von Klausuren, Tests und Noten
Hausaufgaben werden nicht erledigt oder geheim gehalten
Körperliche Symptome, evtl. vor einem bestimmten Fach oder einer bestimmten Lehrkraft
Körperliche Anzeichen von Schulangst
Die Angst äußert sich auch durch körperliche Symptome, da der kindliche Körper dauerhaft unter negativem Stress steht. Daher sind Bauchschmerzen und Schlaflosigkeit keine Seltenheit.
Weitere typische Anzeichen für „Schulangst“ sind z. B. Übelkeit, Kopfschmerzen und Kreislaufbeschwerden. Diese treten häufig morgens vor dem Schulbeginn auf.
Die Anzeichen verschwinden abrupt, sobald der Schulbesuch ausgesetzt werden kann. Neben den Schlafstörungen, sind auch Symptome, wie innere Unruhe, Nervosität und Reizbarkeit vor der Schule möglich. Gut lassen sich die Anzeichen beobachten, wenn das Wochenende oder die Ferien enden. Die Symptome, können bereits 2–3 Tage vor Schulbeginn auftreten. Das ist auch der Zeitpunkt, wo das Gedankenkarussell wieder beginnt zu kreisen. Auch Trödeln, plötzliches Weinen und Panikattacken, sind angstbehaftete Verhaltensweisen.
Besteht eine Leistungsangst, äußert sich diese durch starke Aufregung, lange bevor eine Prüfung überhaupt stattfindet. Soziale Angst, geht häufig mit übermäßiger Schüchternheit, ausgeprägter Verlegenheit und Vermeidung von Blickkontakt einher.
Was sind die Ursachen für Schulangst?
Dein Kind liest langsamer als andere Kinder und schafft deswegen Aufgaben nicht in vorgegebener Zeit
Es schreibt langsamer
Keine oder negative Bindung zur Lehrkraft
Angst, die Erwartungen der Eltern nicht erfüllen zu können
Hat das Gefühl, sich um einen Elternteil kümmern zu müssen
Achte auf flüchtige Aussagen des Kindes. Auch diese können Aufschluss über die aktuellen Herausforderungen in der Schule geben.
Häufige Ursachen für eine steigende Angst vor der Schule, sind z.B. Leistungsdruck, Konflikte oder Antipathien zwischen Lehrkräften und Schüler/innen, sowie Überforderung, weil das Kind den Schulstoff nicht so schnell verarbeiten kann, wie er gelehrt wird (denn jedes Kind hat sein eigenes Tempo).
Unser Schulsystem, gibt das jedoch häufig weniger her. Der Leistungsdruck, kann sich auch auf die sozialen Medien ausweiten, ebenso, wie der Schönheitsdruck. Die ständige Konfrontation mit neuen Posts und Filtern, können die Unsicherheiten und Versagensängste deines Kindes fördern. Gerade dann, wenn es sich in der Pubertät befindet.
Eine weitere große psychische Belastung, ist das Mobbing/ Cybermobbing. Sind Beleidigungen, Bloßstellungen und Ausgrenzung, sowie Drohungen in der Schule und/oder im Internet an der Tagesordnung, führt dies auf Dauer zu Angst und weiteren Störungen.
Auch belastende familiäre Situationen, wie Streit unter den Eltern, Trennung oder hohe Erwartungen der Eltern an das Kind, erhöhen das Risiko für Schulangst.
Hier findest du Hilfe bei Schulangst
Eltern – und Erziehungsberatungsstellen
Hier werden häufig mit ersten Ansprechpartnern Situationen eingeordnet, Ursachen besprochen und nächste sinnvolle Schritte geplant.
Kinderärzte oder Hausärztinnen
Hier können durch erste Untersuchungen, körperliche Ursachen für Bauchschmerzen etc. ausgeschlossen werden. Falls erforderlich, erfolgt eine Überweisung zur entsprechenden Fachkraft.
Kinder – und Jugendpsychotherapeuten/-innen
Hier wird bei Diagnose und Behandlung von Schulangst unterstützt.
Schule und schulische Dienste
Hier gibt es Vertrauenslehrer/-innen, Schulsozialarbeiter/-innen, die dabei unterstützen, Lösungen und eine gute Rückkehr in den Schulalltag zu finden, indem sie den Ursachen auf den Grund gehen. Bei hohen Fehlzeiten wird das Jugendamt hinzugezogen.
So unterstützt du bei Schulängsten
Schau, dass dein Kind über eine ausreichende und fließende Lese – und Schreibkompetenz verfügt. Fällt dir auf, dass es herausfordernd für dein Kind ist, zu lesen oder zu schreiben, spreche gern umgehend mit der Lehrkraft, frage nach passenden Fördermöglichkeiten und lasse dein Kind auf eine Lese-Rechtschreibschwäche (oder Legasthenie) prüfen.
Erfülle deinem Kind nicht sofort aus Mitleid jeden Wunsch oder übernehme alles. Dein Kind darf lernen, mit Frust umzugehen.
Lebe deinem Kind eine klare Struktur im Alltag vor, wie bestimmte Mahlzeiten, die zu bestimmten Uhrzeiten eingenommen werden, Freitagabend ist „Family Friday“ (alle essen gemeinsam, schauen einen Film oder es gibt einen Spieleabend) etc.
Lasse dein Kind Aufgaben im Haushalt übernehmen. Achte darauf, dass die Aufgaben nicht überfordernd und altersgerecht sind.
Plane gern regelmäßige Unternehmungen ein. In dieser Situation sind Ablenkung und Familienzusammenhalt genauso wichtig, wie Angstbewältigung und Ruhe.
Die kognitive Verhaltenstherapie, hilft bei Schulangst mit Lernblockaden und Prüfungsängsten. Durch Rollenspiele und Entspannungsmethoden werden festgefahrene Denkmuster durchbrochen.
Durch gut und kontinuierliche Vernetzung zwischen Eltern, Lehrkräften und Schulpsychologen/-innen, können eine Rückführung in den Schulalltag leichter gestaltet und Rückfällen vorgebeugt werden.
Spende Trost, Zuneigung und Liebe – zeige Verständnis und Geduld.
Lobe dein Kind für positive Verhaltensweisen oder wenn es bestimmte Situationen bewältigt, die ihm Angst machen, wie z. B. die Hausaufgaben zu erledigen etc.
Fazit: Plötzliche Angst vor der Schule
Eltern sind der größte Halt
Schulangst beeinträchtigt nicht nur den Bildungserfolg nachhaltig, sondern schadet auch dem körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen. Die Angst vor der Schule ist in jedem Fall therapierbar. Jedoch braucht es dafür eine Grundlage aus mehreren Bausteinen, damit eine Therapie ihre gewünschte Wirkung erzielt.
Du als Elternteil, bist der wichtigste Helfer in dieser Situation. Von großer Bedeutung ist dein Verständnis, für die Angst und die daraus resultierenden Emotionen, sowie Verhaltensweisen deines Kindes.

