Mediensucht bei Jugendlichen – 7 Tipps zur Vorbeugung
Der digitale Sog, wird für viele Kinder und Jugendliche unberechenbar. Soziale Netzwerke, Games und Streaming-Dienste wirken regelrecht hypnotisierend und können die Realität komplett abschalten. Erfahre hier, wie du dein Kind schützen bzw. ihm aus der Mediensucht heraushelfen kannst.
Faszination oder schon Sucht?
Zwischen häufiger Internetnutzung und Mediensucht, verschwimmen Grenzen.
Das Essen ist fertig, du sitzt bereits am Tisch, aber dein Kind muss noch ein Level zu Ende spielen, einen Beitrag hochladen oder eine Sprachnachricht anhören? Und wieder ist eine Stunde vergangen …
Wer täglich einen Beitrag postet oder zockt, ist nicht automatisch süchtig nach Medien. Doch ab wann, ist eine Person mediensüchtig?
Von Bedeutung ist, ob eine Person in jeder Situation die Kontrolle über ihren Medienkonsum hat. Eine Sucht liegt dann vor, wenn der Konsum extreme Ausmaße annimmt und die Mediennutzung nicht mehr gesteuert werden kann.
Vgl. auch » Sharenting – Wenn Eltern Kinderbilder im Netz teilen
Symptome der Mediensucht
Wie bei jeder Sucht, kommt es auch hier zu Entzugserscheinungen.
Körperlich: kalter Schweiß, extreme Nervosität oder Stimmungsschwankungen dazu.
Auch das Vernachlässigen von Hobbys, sozialen Kontakten und verstärkte Lügerei über die Nutzung, sind Hinweise auf eine mögliche Sucht.
Weitere Anzeichen sind erhöhte Fehlzeiten und starker Notenabfall in der Schule, sowie negative Konsequenzen, wie körperliche und mentale Beeinträchtigungen.
Mediensüchtig – Definition & Bedeutung
Eine offizielle, anerkannte Diagnose für „Mediensucht“ gibt es noch nicht. Immerhin wurde im Jahr 2018 die „Videospielsucht“ (Gaming Disorder) von der Weltgesundheitsorganisation als Krankheit anerkannt.
Die Kriterien für eine Videospielsucht, könnten in Zukunft auch auf die Mediensucht übertragen werden, falls diese offiziell als eine Krankheit anerkannt werden sollte.
Laut der WHO müssen folgende Symptome mindestens ein Jahr lang fortbestehen, damit man von einer Videospielsucht sprechen kann:
Kontrollverlust über das Nutzungsverhalten
Rückzug und Verlust in anderen Lebensbereichen
(Schule, Hobbys, Freunde)Unveränderte, anhaltende Mediennutzung, trotz bereits spürbarer, negativer Konsequenzen
Mehr erfahren » Kidfluencer: Zwischen Klicks & Selbstinszenierung – oder auch » Digitalisierung, Kinder, Krisen & Konflikte
Diese 10 Kriterien gelten als Suchtbegünstiger
Persönliche Aspekte, Einsamkeit, Schüchternheit oder geringes Selbstwertgefühl
Depression, Stress, (Versagens‑)Ängste, keine Strategien zur Problembewältigung, gering ausgeprägte Verhaltenskontrolle
Fehlende Aufmerksamkeit innerhalb der Familie, fehlende Akzeptanz/Ausgrenzung von Gleichaltrigen in der realen Welt (vgl. Was ist Mobbing?)
Misserfolge/Mangel an Erfolgserlebnissen
Langeweile/wenig Abwechslung im Alltag
Kritische Lebensumstände (Trennungen, Schulangst etc.)
„Dark Patterns“ = manipulative Designmuster sozialer Dienste
Push-Nachrichten (sollen das Gefühl vermitteln, etwas zu verpassen, wenn nicht regelmäßig in der jeweiligen App nachgeschaut wird = Aktivierung des Angstzentrums im Gehirn „Fear Of Missing Out“)
Regelmäßiges Spielen wird „belohnt“, z. B. mit virtuellen Geschenken, wie „Diamanten“, „Münzen“ oder freigeschalteten Leveln und Bonusmaterial
Designelemente, wie endloses Scrollen, Videoschleifen, und automatische Wiedergabe erschweren es den User*innen, aufzuhören.
Befristete Events (künstliche Verknappung)
7 vorbeugende Tipps gegen Mediensucht bei Jugendlichen
Interessiere dich für die digitale Welt, die dein Kind fasziniert.
Spiele, streame und surfe mit ihm. So kannst du am besten ein Verständnis dafür entwickeln, was dein Kind daran so interessant findet, und dein Kind fühlt sich ernst genommen.
Spreche mit deinem Kind über Spiele, Inhalte und Erlebnisse in den Medien
Hier ein paar Impulse für den Gesprächseinstieg:
„Was machst du am liebsten online?“
„Welche Apps interessieren dich besonders?“
„Was fasziniert dich an Ihnen?“
„Welchen Influencern/Kanälen folgst du?“
„Welches Spiel, spielst du am liebsten?“
„Magst du mir mal zeigen, wie das geht?“„Kennst du die Personen, mit denen du spielst und chattest?“
„Hast du einem Unbekannten schon mal deinen Namen und deine Adresse genannt?“
„Was unterscheidet für dich echte Freunde von Online-Bekanntschaften?“
„Gibt es Social-Media-Situationen, in denen du dich unwohl fühlst?“
„Haben dich schon mal Fotos oder Videos verängstigt?“
Sind dir Likes, Kommentare und Bewertungen wichtig? Warum?“
„Wie kannst du auf Social Media zwischen real und fake unterscheiden?“
Überprüfe dein eigenes Medienverhalten
und gehe als gutes Vorbild voran.
Kreiere ein respektvolles, familiäres Umfeld
Dort fühlt sich dein Kind wertgeschätzt und gesehen.
Führt medienfreie Auszeiten ein
und haltet alle diese Absprachen ein. Überlegt euch gern gemeinsam Anregungen und Alternativen zu Smartphone & Co., z. B. gemeinsame Unternehmungen etc.
Mehr erfahren » 45 Aktivitäten mit Kindern – Liste für Indoor & Outdoor-Spielideen
Verzichte auf Verbote
Sie sind auf Dauer wenig hilfreich und vielmehr hinderlich. Dein Kind wird dann einen Weg finden, es heimlich zu tun.
Wenn wir uns an unsere eigene Jugend erinnern: Verbote sind verführerisch, also versuche ich es erst recht. Mama und Papa sind dagegen? Großartig, dann mach ich’s.
Nutze Jugendschutzprogramme
Diese beschränken die Nutzung von Apps auf einen bestimmten Zeitraum. Des Weiteren bieten die Programme auch eine Übersicht über die tägliche und wöchentliche Nutzung an.
Hilfreiche Anlaufstellen bei Mediensucht
Fachstellen für exzessiven Medienkonsum

