Rassismus unter Kindern

Rassismus unter Kindern ist – leider – kein Einzelfall. Aber schon im Kindesalter werden die Weichen für das Zusammenleben als Erwachsene gestellt. Wenn Toleranz und Empathie von klein auf mitwachsen, stärkt das ein respektvolles Miteinander, baut Vertrauen auf und Misstrauen ab. Das ist der beste Schutz gegen extremistische Strömungen in unserer Gesellschaft.

 

Stopp Rassismus! Das geht am besten, wenn schon Kinder die Vielfalt der Menschen verstehen und als etwas ganz Natürliches ansehen.

Mama, die Nina ist so schwarz, bei der sieht man ja nur die Zähne.

Mia sitzt am Tisch und zeigt auf das Klassenfoto, das sie heute aus der Schule mit nach Hause gebracht hat. Ich schlucke – und weiß im ersten Moment nicht, was ich antworten soll.

Wie geht Political Correctness im Umgang mit Kindern?

Und wie bezeichne ich heute Menschen mit einer anderen Hautfarbe als meiner, ohne in die Rassismusfalle zu tappen?

Dass das N*-Wort tabuisiert ist, wissen inzwischen alle – zum Glück. Schwarz geht auch nicht, aber ebenso ist Farbige/farbig eigentlich ein kolonialistischer Begriff und negativ konnotiert. Eine immer häufiger benutzte Alternative ist die Selbstbezeichnung People of Color (PoC, Singular: Person of Color). Begriffe wie "Farbige" oder "Dunkelhäutige" lehnen viele People of Color ab. Viele – aber nicht alle.

In meinem Freundeskreis hat ein 14-jähriger Junge aus Togo zum Nikolaus ein Foto von sich gepostet, mit der Unterschrift: „Niggerlaus“. Ich war entsetzt, seine Eltern auch. Aber er fand das nur lustig und konnte unseren Schreck nicht nachvollziehen. Die historischen Hintergründe waren ihm weder bekannt noch bewusst. „Das ist doch alles viel zu lange her“, sagte er uns. Wie schön, wenn er in der Schule und im Freundeskreis ein Umfeld hat, das ihm dieses Gefühl vermittelt. Leider ist das aber längst nicht überall so.

 

Die Political Correctness in der Sprache ist der Versuch, gesellschaftlichen Veränderungen gerecht zu werden.“ Max Tholl

Es ist also eine schmale Gratwanderung zwischen dem bewussten Ausblenden von Wörtern, die früher „normal“ waren und heute in unserer multikulturellen Gesellschaft verletzen, und dem Beharren auf diese Wörter aus einem nicht klar definierten Traditionsbewusstsein heraus.

Fakt ist: Begriffe wie „Neger“, aber auch „Schwuchtel“ oder „Weib“ sind Überbleibsel einer Zeit, in der Unterschiede nicht respektiert, sondern ausgenutzt wurden, um zu diskriminieren.

 

Rassismus unter Kindern wird unterschätzt

Zurück zu Mia: Ich könnte ihr erklären, dass weder Ninas Hautfarbe schwarz noch ihre eigene weiß ist. Rosa, höchstens. Oder braun, im Sommer. Und dass man bei so einem Klassenfoto besser auf das Licht achten sollte, damit alle Kinder zu erkennen sind.

Das ist auch für eine Grundschülerin nicht zu kompliziert, und ich habe das eigentliche Problem direkt angesprochen.

Aber oft geht es ja nicht nur um ein Foto. Rassismus unter Kindern ist ein ernstzunehmendes, aber leider auch heute oft unterschätztes Problem. Dabei zeigen Studien und Berichte, dass schon Kinder rassistische Vorurteile übernehmen können, oft unbewusst. Dies geschieht durch die Sozialisation in Familie, Medien und Gesellschaft.

 

Rassismus ist nicht angeboren, sondern erlernt

Bereits im Vorschulalter zeigen Kinder erste Vorurteile. Untersuchungen zeigen, dass sie ab etwa drei Jahren Hautfarben wahrnehmen und gesellschaftliche Hierarchien reproduzieren können. Schon in den Kitas grenzen Kinder Andersartige aus.

Zum Beispiel, indem sie Kinder mit einer anderen Hautfarbe oder einem sichtbar anderen kulturellen und ethnischen Hintergrund nicht mitspielen lassen. Oder es kommen Bemerkungen wie: „Du hast aber eine komische Haut“, „Was sind das für komische Haare“ oder „igitt, was für Essen hast du denn dabei“.

 

WOW, tolle Haare. Darf ich die mal anfassen?

Nein. Aber dieses Nein müssen Kinder erst einmal lernen. Dazu gehört Mut. Und Selbstvertrauen.

PoC erleben im Alltag immer wieder, dass Fremde ihnen ungefragt in die Haare fassen. Dazu gibt es inzwischen ganz tolle Kinderbücher, die das spielerisch und kindgerecht thematisieren (z.B. Dayan Kodua: Wenn meine Haare sprechen könnten; Der Erlös fließt zu 100 % in Integrationsprojekte)

 

Alltagsrassismus in Bildungseinrichtungen

In der Grundschule entstehen oft erste diskriminierende Verhaltensweisen, insbesondere durch Nachahmung oder Gruppendynamiken. Hinzu kommt, dass viele Kinder in ihrem Umfeld nur begrenzt Erfahrungen mit Kindern anderer Kulturen oder mit anderen Hautfarben gemacht haben und ihnen auch in ihrem Spielalltag selten begegnet sind.

Denn bis heute sind PoC – aber auch queere Menschen - in Bilderbüchern, Puppen oder Spielen unterrepräsentiert. Das verstärkt das Gefühl der Andersartigkeit.

Leider sind immer wieder auch (unbewusste) Vorurteile von Erzieher*innen und Lehrkräften mit im Spiel. PoC oder Kinder mit Migrationshintergrund werden möglicherweise strenger behandelt als schwieriger wahrgenommen oder im Unterricht vernachlässigt.

» Rassismus in der Schule: ein Spiegel unserer Gesellschaft & » Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund

 

Leider werden Kinder und Jugendliche mit anderer Hautfarbe oder Kultur in vielen Klassen benachteiligt - oft sogar gemobbt. Dabei entsteht Gemeinschaft nur durch Einheit.

Es ist leider eine Tatsache, dass vielerorts Schüler*innen mit Migrationshintergrund und/oder anderer Hautfarbe und Kleidung häufiger Beleidigungen erleben oder sozial isoliert werden. Bei Teenagern äußert sich Rassismus dann schon bewusst, etwa durch Ausgrenzung, verbale oder sogar physische Übergriffe und handfestes Mobbing.

Studien zeigen, dass Lehrkräfte Kinder mit nicht deutschem Namen oder Akzent oft schlechter einschätzen, selbst wenn die Leistungen vergleichbar sind. In Schulbüchern oder im Unterricht wird oft eine eurozentristische Perspektive vermittelt, während Beiträge anderer Kulturen vernachlässigt werden. Besonders schlimm: Nicht weiße Schüler*innen erhalten nachweislich häufiger Strafen oder werden schneller als „Problemkinder“ abgestempelt.

 

Racial und Social Profiling verhindern funktioniert nur, wenn wir uns unsere eigenen Vorurteile eingestehen und aktiv dagegen arbeiten.

Racial Profiling verhindern

Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, dieser rassistisch begründeten Ungerechtigkeit entgegenzuwirken:

  • Sensibilisierung von Fachkräften: Pädagogische Fachkräfte müssen sich ihrer eigenen Vorurteile bewusst werden und aktiv gegen Rassismus arbeiten.

  • Vielfältige Repräsentation: Bücher, Spielzeug und Unterrichtsmaterialien sollten verschiedene Kulturen und Identitäten abbilden.

  • Interkulturelle Bildung: Projekte und Workshops zu Antirassismus und Diversität helfen, Vorurteile abzubauen.

Klare Regeln gegen Diskriminierung: Möglichst alle Schulen und Kitas sollten feste Konzepte haben, um rassistische Vorfälle konsequent zu ahnden. Das erleichtert es Lehrkräften und Eltern, schnell zu handeln und sich an einem erprobten Leitfaden zu orientieren.

 

Rassismus ist oft auf familiär verwurzelt.

Rassismus hat seine Wurzeln oft in der Familie

Wo liegen die Wurzeln rassistischen Verhaltens bei Kindern? Natürlich spielen Umwelt und Medien eine Rolle. Aber gerade bei Kita- und Grundschulkindern wird Rassismus häufig durch Sozialisation in der Familie weitergegeben. Kinder übernehmen bewusst oder unbewusst – Vorurteile und Denkmuster ihrer Eltern und ihrer Familie. Die Übertragung geschieht auf mehreren Ebenen.

Zunächst einmal ganz direkt durch Sprache und Verhalten in Form von abwertenden Kommentaren der Eltern/Verwandten. Sätze wie „Die sind doch alle faul“, „die wollen alle nur unser Geld“, „schau mal, wie die aussieht mit ihrem Kopftuch“, „der Mann ist geschminkt, wie ekelhaft“ prägen die Wahrnehmung ihrer Kinder.

Noch schlimmer, weil für Kinder besonders einprägsam sind diskriminierende Witze. Wo rassistische Witze als „normal“ gelten, lernen Kinder spielerisch, solche Denkmuster zu akzeptieren – und zu verbreiten.

Auch, wenn die Kinder im Alltag der Familie nie Kontakte zu Menschen anderer Hautfarbe oder Kultur haben, weil die Eltern bewusst den Umgang mit bestimmten Gruppen vermeiden, erleben die Kinder das als negative Wertung – Menschen, die anders sind, sind schlechter und stehen nicht auf der gleichen Stufe.  

Rassismus ist….

eine Art von Diskriminierung. Durch Rassismus werden Menschen zum Beispiel wegen ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Haare, ihres Namens oder ihrer Sprache diskriminiert, ausgegrenzt und abgewertet. Rassismus ist die Erfindung, dass es bei Menschen unterschiedliche „Rassen“ gibt.

 

Wenn das Umfeld zu homogen ist

Kinder, die nur in einem homogenen sozialen Umfeld aufwachsen, haben weniger Gelegenheiten, andere Kulturen kennenzulernen. Sie sind hier darauf angewiesen, dass die Eltern ganz bewusst solche Begegnungen suchen. Zum Beispiel, indem sie in ein türkisches oder asiatisches Geschäft oder Restaurant gehen. Oder wenn sie ein Kita-Kind aus einer anderen Kultur oder mit einer anderen Hautfarbe zum Spielen einladen oder sich mit den Eltern auf dem Spielplatz treffen.

Zum Glück können sich Eltern oft nicht aussuchen, in welche Kita oder Schule sie ihr Kind schicken, so dass eine kulturelle und ethnische Durchmischung des Umfeldes unvermeidbar ist.

Einer der Hauptgründe für rassistische Vorurteile ist die Unkenntnis bzw. die Angst gegenüber dem Unbekannten. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Eltern selbst in einem kulturell relativ homogenen gesellschaftlichen Umfeld aufgewachsen sind.

Diese Angst projiziert sich direkt auf die Kinder, die entsprechende Äußerungen – „typisch für die“, „dem möchte ich nicht im Dunkeln begegnen“, „die passen nicht zu uns/hierher“ – aufsaugen und wiedergeben. Auch das nonverbale Verhalten der Eltern prägt die Kinder. Wenn sie angesichts eines Menschen anderer Kultur, Hautfarbe oder Kleidung z. B. die Straßenseite wechseln, im Bus bewusst viel Abstand halten und vielleicht sogar noch eine entsprechende Mimik und Gestik zeigen, ahmen Kinder dieses Verhalten ganz schnell nach.

 

Medien haben oft einen gefährlichen Einfluss auf Kinder und Jugendliche

Der mediale Einfluss hat durch das Internet und die Sozialen Medien in den letzten Jahren massiv zugenommen. Wenn Eltern Medien konsumieren, die rassistische Narrative verstärken (z. B. einseitige Berichterstattung über Kriminalität, undifferenzierte Ablehnung von Geflüchteten, anderen Religionen oder der LGBTQ-Bewegung), prägt das auch ihre Kinder.

 

In der Familie antirassistisch und tolerant leben

Mein Kind kopiert mich. Gut. Aber wie werde ich zum Vorbild für Toleranz und Antirassismus? Der Weg ist sicher nicht eben, er führt vielleicht auch mal im Zickzack und bergauf/bergab.

Ganz wichtig ist dabei die ehrliche Selbstreflexion: Eltern sollten ihre eigenen Vorurteile hinterfragen und offen für neue Perspektiven sein. Schuldgefühle sind da fehl am Platz. Die Erkenntnis und das Vorhaben, Vorurteile zu überdenken, sind der erste Schritt nach vorn. Zivilcourage kann man lernen – egal, in welchem Alter. Wenn du selbst respektvoll mit anderen Menschen umgehst, ist das die beste Erziehung gegen Rassismus und für Toleranz.

Fördere multikulturelle Begegnungen in und mit der Familie. Durch den schon angesprochenen Besuch anderer Kulturräume und Restaurants, durch Einladungen, aber auch ganz einfach durch Bücher, Filme, Musik, Besuche anderer Stadtviertel und vielleicht auch Reisen, und zwar nicht nur in abgeschlossenen Resorts. Auch die vielen verschiedenen religiösen Bräuche eignen sich für die ganze Familie besonders gut, um andere Kulturen kennenzulernen – und Ängste vor etwas Fremdem abzubauen.

Auch Spielzeug kann divers gestaltet werden.

Puppen und Figuren sollten verschiedene Hautfarben und Hintergründe repräsentieren. Alle Hersteller haben heute solche Figuren im Angebot.

 

Zivilcourage stärken und Rassismus erklären

Wenn dein Kind rassistische Begriffe oder Vorurteile äußert, solltest du nicht schimpfen, sondern freundlich interessiert nachfragen, woher das Wort oder die Haltung kommt, um das dann zu thematisieren. Frag dein Kind, wie es sich fühlen würde, wenn es selbst unfair behandelt oder gar gemobbt würde. So entwickelt es Empathie.

Ganz wichtig: Ein Kind muss zunächst einmal verstehen, dass Rassismus unfair ist und niemand wegen seiner Hautfarbe, Sprache oder Herkunft schlecht behandelt werden darf. Wenn dein Kind fragt, warum jemand anders aussieht oder warum es Rassismus gibt, solltest du ehrlich antworten, kindgerecht erklären und vermitteln, dass Vielfalt normal ist, auch, wenn sie nicht überall in gleichem Maß sichtbar wird. Neben Erfahrungen aus eurem persönlichen Umfeld, der Schule oder die Kita können dir dabei auch Bücher und Filme helfen (z. B. "Steck mal in meiner Haut“, „Als die Raben noch bunt waren“ oder „Wie erkläre ich Kindern Rassismus“).

Wenn du selbst in unfairen Situationen Partei ergreifst, lernt dein Kind von dir diese Haltung. Wenn du Diskriminierung im Alltag ansprichst, stärkt das nicht nur dein Kind, sondern auch dich! Zum Beispiel, wenn im Buch oder Film nur weiße Held*innen vorkommen – oder auch, als positives Beispiel, Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Geschlechts. Rassistische Witze musst du dem Kind vielleicht erst einmal erklären – und auch über die Hintergründe sprechen.

Vielleicht besonders schwierig umzusetzen: Versuche, selbst rassistische oder ausgrenzende Sprache zu vermeiden, auch, wenn du mit bestimmten Begriffen aufgewachsen bist. Das fängt beim Mohrenkopf an und hört beim Zigeunerschnitzel noch lange nicht auf.

Wenn ihr in alten Kinderbüchern auf solche früher gebräuchlichen Worte stoßt (Neger, Rothaut usw.), dann erkläre einfach, warum wir das heute so nicht mehr sagen.  

 

Rassismuskritische Erziehung bedeutet nicht nur, Rassismus zu verhindern, sondern aktiv eine offene und wertschätzende Haltung zu fördern.

Misch dich ein!

Wenn dein Kind mitbekommt, dass ein anderes Kind aufgrund seiner Hautfarbe oder Kultur gemobbt oder angegriffen wird, kann es mit ganz einfachen Sätzen reagieren:

  • Das ist gemein, hör auf!

  • „Das ist nicht in Ordnung.“

  • „Lass sie/ihn in Ruhe!“

Oder es stellt sich einfach neben das ausgegrenzte Kind und geht mit ihm weg. Oder es fragt nach: „Geht’s dir gut? Alles stabil?Klar, das kostet Mut. Aber Ignorieren ist keine Lösung. Damit geht die Ungerechtigkeit nicht weg, sondern breitet sich immer weiter aus.

Natürlich soll dein Kind sich nicht in Gefahr begeben. Wenn eine Situation zu schwierig ist, sollte dein Kind wissen, dass es Lehrkräfte oder Erzieher*innen um Hilfe bitten kann. Übrigens:

Gemeinsam sind wir immer stärker. Wenn mehrere Kinder zusammenstehen und gegen Rassismus in ihrem Umfeld auftreten, haben rassistische Sprüche weniger Macht, und die Betroffenen fühlen sich beschützt. Viele Schulen haben entsprechende Projektgruppen – und wenn nicht, könnt ihr eine solche initiieren. Unterstütze dein Kind auch dabei, ein Plakat zu malen oder eine Aktion zu starten, wenn es das gerne machen möchte.

 

Hilfe, mein Kind wird gemobbt!

Und was passiert, wenn dein eigenes Kind rassistische Kommentare erlebt? Ganz wichtig: Ruhe bewahren, trotz der eigenen Betroffenheit! Zeig ihm, dass es nicht alleine ist, dass du hinter ihm stehst, es ernst nimmst, seine Verletzung verstehst und ihr gemeinsam Lösungen findet.

Gibt deinem Kind zunächst das Gefühl, dass es dir alles erzählen kann und du ruhig zuhörst.

Mögliche Fragen, die helfen können, sind: „Was wurde gesagt?“, „Wie hast du dich gefühlt?“, „Wer war dabei?“ „War auch ein Erwachsener anwesend?“ Benenne ganz klar, dass das Verhalten gegenüber deinem Kind nicht ok war!

Stärke sein Selbstbewusstsein, indem du seine ganz besonderen Werte und seine Einzigartigkeit betonst. Ihr könnt auch einfache Sätze üben, mit denen dein Kind auf rassistische Äußerungen antwortet: „Das war nicht okay!“, „Lass mich in Ruhe,“ „Du verletzt mich.

In manchen Situationen kann es besser sein, den Täter oder die Täterin einfach zu ignorieren und wegzugehen. Für welche Reaktion sich dein Kind entscheidet, hängt vom jeweiligen Moment und seinem Gefühl ab.

Falls ihr es noch nicht getan habt, ist es jetzt an der Zeit, offen über Rassismus zu sprechen: Dein Kind soll verstehen, dass das Problem nicht bei ihm liegt, sondern in den Vorurteilen anderer. Ihr könnt dazu Empowerment-Geschichten lesen oder Filme anschauen. Für dich als Elternteil kann es wichtig sein, sich mit anderen Eltern oder Gruppen auszutauschen und vielleicht auch gemeinsame Strategien zu entwickeln.

Auf jeden Fall musst du den Vorfall mit den zuständigen Erwachsenen besprechen: Lehrkräfte, Erzieher*innen oder Eltern. Wenn möglich, kannst du Maßnahmen einfordern, z. B. ein Antirassismuskonzept. Auf alle Fälle muss dafür gesorgt werden, dass sich der Vorfall nicht wiederholt.

Falls die Einrichtung nicht handelt, kannst du dich an Beratungsstellen wenden (z. B. Antidiskriminierungsstelle des Bundes).

Beobachte dein Kind. Wenn du den Eindruck hast, dass die Situation es stark belastet, dann suche professionelle Unterstützung. Falls dein Kind stark unter den Erlebnissen leidet oder sich zurückzieht, könnte psychologische Unterstützung hilfreich sein. Beratungsstellen wie "Opferperspektive" oder "PRO ASYL" bieten Hilfe. Schau auch hier » Hilfsstellen bei psychischen Problemen

 

Hier findet ihr eine Auswahl von Studien und Fallbeispielen über Rassismus in Kitas und Schulen


Institutioneller Rassismus in Kitas

Das "Nadira Projekt" untersucht, wie institutioneller Rassismus in Kindertageseinrichtungen entsteht und verhandelt wird. Es fokussiert sich auf die Auswirkungen von Rassismus auf die Zugangs- und Teilhabemöglichkeiten von Kindern und ihren Familien. Beispielsweise wird analysiert, inwiefern Rassismus die Vergabe von Kita-Plätzen beeinflusst.

Mehr dazu auf RASSISMUSMONITOR.DE 


Alltagsrassismus in der Kita erkennen und handeln

Eine Studie des nifbe (Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung) beleuchtet, wie Alltagsrassismus in Kitas erkannt und adressiert werden kann. Sie betont die Notwendigkeit, Kinder, Eltern und Erzieher*innen vor Rassismuserfahrungen zu schützen und sensibilisiert für die Relevanz einer rassismuskritischen Perspektive in der frühkindlichen Bildung.

Mehr dazu auf NIFBE.DE


Diskriminierung an Schulen

Eine Publikation der Antidiskriminierungsstelle des Bundes bietet einen Leitfaden für Schulen, um Diskriminierung zu erkennen und zu vermeiden. Sie thematisiert verschiedene Diskriminierungsformen, einschließlich Rassismus, und gibt Empfehlungen für den schulischen Alltag.

Mehr dazu auf ANTIDISKRIMINIERUNGSSTELLE.DE


Alltagsrassismus in der Kita

Ein Beispiel beschreibt, wie ein Mädchen mit dunkler Hautfarbe von anderen Kindern abgeleckt wurde. Diese rassistische Handlung wurde von pädagogischen Fachkräften verharmlost und als kindliches Verhalten abgetan, ohne die rassistische Dimension zu erkennen.

Mehr dazu auf DEMOKRATISCHER-SALON.DE 


Diskriminierung im Schulalltag

Ein Fallbeispiel aus Niedersachsen schildert die Geschichte von Zehra, einer Schülerin, die aufgrund ihres muslimischen Hintergrunds in der Schule auffällt und Diskriminierung erfährt. Solche Beispiele verdeutlichen die Notwendigkeit, kulturelle Sensibilität und Antidiskriminierungsstrategien im Schulalltag zu fördern.

Mehr dazu auf MS.NIEDERSACHSEN.DE


Diese Studien und Fallbeispiele unterstreichen die Bedeutung einer bewussten Auseinandersetzung mit Rassismus in Bildungseinrichtungen. Es ist essenziell, dass pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte für dieses Thema sensibilisiert werden, um eine inklusive und diskriminierungsfreie Lernumgebung zu schaffen.

 

Diversität in Büchern und Medien

Um Kinder für Vielfalt zu sensibilisieren, ist es wichtig, dass sie in Büchern, Filmen und Serien vielfältige Charaktere erleben, in denen nicht-weiße Menschen nicht nur Nebenfiguren oder Stereotype sind.

Hier ein paar Tipps:

  • "Sulwe" (Lupita Nyong’o)

  • "Ich bin anders als du – Ich bin wie du" (Constanze von Kitzing)

  • "Antirassismus-Buch für Kinder" (Ibram X. Kendi)

  •  Serien und Filme: Mira, Royal Detective, Encanto, Moana

Siehe auch » 9 Diversity-Kinderbücher für mehr Toleranz & Vielfalt

MaJa Boselli

MaJa hat Romanistik und evangelische Theologie studiert. Sie schreibt seit über 20 Jahren Fachartikel im sozialen Bereich. Von praktischen Themen wie Kinderhilfe bis hin zur Sozialpolitik. Außerdem bloggt und twittert sie leidenschaftlich, seitdem es soziale Netzwerke gibt. Ihre Spezialität: so lange am Thema dranbleiben, bis allen alles klar ist. Ihr Motto: “ich schreibe, also bin ich.”

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