9 Diversity-Kinderbücher – für mehr Toleranz & Vielfalt
Kinderbücher helfen Kindern, die Welt zu erleben, sie zu verstehen und einzuordnen. Deshalb ist es so wichtig, dass Kinderbücher unsere Gesellschaft möglichst vielfältig abbilden und keine veralteten Rollenbilder vermitteln. In diesem Beitrag möchten wir Ihnen 9 Diversity-Kinderbücher empfehlen.
Kinderbücher ab 2 Jahren
zeichnen leider oft das Ideal einer weißen Mittelklasse-Familie. Diese Liste an Diversity-Kinderbüchern zeigt, wie es besser geht.
Kinderbücher beeinflussen das Weltbild von Kindern
Mädchen sind fast immer Prinzessinnen, Jungs spielen Indianer und Familien bestehen ganz klassisch aus Mama, Papa, Kind. Kinderbücher mit farbigen Protagonisten, kleinen Heldinnen oder gleichgeschlechtlichen Paaren in der Familie sind leider immer noch keine Selbstverständlichkeit.
Dabei sind Kinderbücher für das Selbstbild und die Entwicklung eines Kindes wie eine Spiegelung ihrer eigenen Rolle und ihres eigenen Standes innerhalb von Gemeinschaften.
Mit anderen Worten: Finden Kinder in Kinderbüchern Situationen oder Charaktere vor, in denen sie sich wiedererkennen können, führt das zu einem tiefen Gefühl von Zugehörigkeit.
Fühlt sich ein Kind in Geschichten und Erzählungen nicht widergespiegelt, kann das untergründige Gefühle von Ausgrenzung und Scham unterstreichen. (1)
Traurig, aber wahr: es gibt viele Kinder in Deutschland, die Diskriminierung und Abwertung erfahren – sei es, weil sie aus einem anderen Land stammen, in einer Patch-Work-Family leben oder 2 Väter bzw. Mütter haben.
Gerade für diese Kinder ist es besonders wichtig, dass sie positive Beispiele durch Diversity-Kinderbücher erhalten.
„Julian ist eine Meerjungfrau“
von Jessica Love, ab 4 Jahre
Julian liebt Meerjungfrauen - er wäre am liebsten selbst eine. Als er auf der Heimfahrt in der U-Bahn drei als Meerjungfrauen verkleidete Frauen mit farbenfroh aufgetürmten Haaren und schillernden Fischschwänzen sieht, ist der Junge völlig hingerissen.
Auch zu Hause kann er an nichts anderes denken und verkleidet sich mit einem gelben Vorhang und Farnblättern selbst als Nixe. Und zum Glück hat er eine Großmutter, die ihn genauso akzeptiert, wie er ist!
Dieses farbgewaltige Bilderbuch, das mit wenigen Worten auskommt, verströmt herzliche Wärme und echte Freude.
Mit zarter und doch überwältigender Bildsprache erobert Julian die Herzen seiner Leser im Sturm. Ein herausragendes Kinderbuch über Individualität, Diversität und Vielfalt!
Quelle: Knesebeck Von Dem GmbH Verlag, 2020
„Zwei Papas für Tango“
von Edith Schreiber-Wicke und Carola Holland, ab 4 Jahre
Roy und Silo sind anders als die anderen Pinguine im Zoo. Sie zeigen den Pinguinmädels die kalte Schulter und wollen immer nur zusammen sein.
Sogar ein Nest bauen sie miteinander. Ein Nest für ein kleines Pinguin-Baby. Aber das geht doch nicht!, denken die Pfleger im Zoo zuerst. Doch dann passiert ein kleines Wunder ...
Diese Geschichte, die sich im New Yorker Zoo tatsächlich zugetragen hat, macht Kinder mit neuen Familienformen vertraut.
Quelle: Thienemann-Esslinger Verlag GmbH
„Kalle und Elsa“
von Jenny Westin Verona, ab 3 Jahre
Zwei Freunde, ein gewöhnlicher Nachmittag bei gutem Wetter …
„Mama, dürfen wir raus?“ – mit dieser simplen Frage beginnt ein Abenteuer, wie es nur zwei kleine Strolche erleben können.
Mehr als ein Garten, eine Decke und Proviant sind nicht nötig, und schon befindet man sich im tiefsten Dschungel und beweist seinen Mut in der Nacht, wenn die Wölfe heulen.
Dem Künstlerpaar Jenny und Jesús Verona gelingt es, eine Alltagsgeschichte in reizvoll modernen Bildern und mit wenigen treffenden Worten zu erzählen. Wir brauchen mehr von solchen Geschichten, die jeder selbst erleben kann, der nur genug Fantasie hat!
Quelle: Bohem Press Verlag
„Rosa Parks – Little People, Big Dreams“
von Lisbeth Kaiser, ab 5-8 Jahre
Rosa Parks wuchs in Alabama auf, wo sie schon früh lernte, für sich selbst einzustehen.
Rosa wurde später Bürgerrechtlerin. 1955 weigerte sie sich, ihren Sitzplatz in einem getrennten Bus einem weißen Mann zu überlassen, was den Busboykott von Montgomery auslöste.
Ihre mutige Entscheidung hatte enorme Auswirkungen auf die Bürgerrechte und führte schließlich zum Ende der Segregation im öffentlichen Verkehr. Sie hat nie aufgehört, sich für Gleichberechtigung einzusetzen.
Dieses bewegende Buch enthält stilvolle und skurrile Illustrationen und zusätzliche Fakten auf der Rückseite, darunter eine biografische Zeitleiste mit historischen Fotos und ein detailliertes Profil des Lebens der Aktivistin.
Little People, BIG DREAMS ist eine Bestseller-Reihe von Büchern und Lernspielen, die das Leben herausragender Menschen erforschen, von Designern und Künstlern bis hin zu Wissenschaftlern und Aktivisten.
Diese Serie bietet inspirierende Botschaften für Kinder jeden Alters in verschiedenen Formaten.
Quelle: Insel Verlag
„Irgendwie Anders“
von Kathryn Cave, ab 4 Jahre
So sehr er sich auch bemühte wie die anderen zu sein, Irgendwie Anders war irgendwie anders.
Deswegen lebte er auch ganz allein auf einem hohen Berg und hatte keinen einzigen Freund.
Bis eines Tages ein seltsames Etwas vor seiner Tür stand. Das sah ganz anders aus als Irgendwie Anders, aber es behauptete, genau wie er zu sein...
Dieses Bilderbuch wurde ausgezeichnet mit dem UNESCO-Preis für Kinder- und Jugendliteratur im Dienst der Toleranz.
Quelle: bücher.de Buchbeschreibung
„Nelly und die Berlinchen“
von Karin Beese, ab 2-6 Jahre
"Nelly und die Berlinchen" ist ein Diversity-Kinderbuch für Kinder von 2-6 Jahren. Das Bilderbuch zeigt den Alltag von Kita-Kids in der Großstadt – in seiner ganzen Vielfalt und ohne zu diskriminieren.
Die "Berlinchen" - das sind Nelly (ein Afrodeutsches Mädchen), Amina (Tochter einer muslimischen Familie) und Hannah (Tochter einer allein-erziehenden Mutter). Gemeinsam erleben sie alltägliche Abenteuer, in denen sich jedes Kind wiederfinden kann. Hautfarbe, Religion oder Familienkonstellation werden im Buch bewusst nicht thematisiert oder gar problematisiert sondern werden natürlich durch die Illustration dargestellt.
In schwungvollen und eingängigen Reimen schmieden die drei Mädchen Pläne, freuen und ärgern sich, sind auch mal richtig frech, aber immer wahrhaftig. Jedes der drei Mädchen wird durch ihren individuellen Charme einfach liebenswert. Ein Buch über Ärger mit Geschwistern, echte Freundschaft und Rettung in letzter Sekunde…
Das Buch wurde mit dem „Respekt gewinnt“-Preis des Berliner Ratschlag für Demokratie ausgezeichnet!
Quelle: HaWandel Verlag
„Alles Familie“
von Alexandra Maxeiner, ab 5 Jahre
Jeder kennt die sogenannte Bilderbuchfamilie, bestehend aus Mama, Papa und Kind(ern).
Daneben gibt es aber auch viele weitere Formen des Familienlebens.
Sie alle sind hier versammelt: Alleinerziehende, Patchworkfamilien in ihren verschiedenen Mixturen, Regenbogen- und Adoptivfamilien.
Unterhaltsam und mit viel Humor geht es außerdem um Bluts- und Wahlverwandtschaften, um Einzelkinderglück, Geschwisterstreit und die Möglichkeit, die gleiche Nase wie Opa abzukriegen.
Preise & Auszeichnungen:
Deutscher Jugendliteraturpreis 2011
Beste 7 im Januar 2011
Eule des Monats, BJL im Dezember 2010
Kröte des Moats, STUBE im Januar 2011
Kinderbuch-Couch-Star im März 2013
Quelle: Klett Kinderbuch Verlag
„2 Mamas für Oscar“
von Susanne Scheerer
Wieso hat Oscar 2 Mamas?, will seine Halbschwester wissen.
Und da fängt Oscar, der blonde Dreikäsehoch, an zu erklären, wie lieb sich seine beiden Mamas haben und wie sehr sie sich nach ihm gesehnt haben, sodass die Trauer darüber, selbst kein Kind zeugen zu können, sie schon fast aufgelöst hatte.
Auf ganzseitigen Illustrationen wird von Bines und Linas teils grotesk wirkenden Versuchen, gemeinsam ein Kind zu bekommen, erzählt.
Im Vordergrund dieses liebevoll gestalteten Bilderbuchs im besten Sinne des Wortes steht der dringende Kinderwunsch eines homosexuellen Paars, der durch die Freundschaft mit einem heterosexuellen Ehepaar in Erfüllung geht und für vierfaches Glück sorgt.
Quelle: Ellermann Verlag
„Fast vergessene Märchen: Starke Mädchen brauchen keine Retter“
von Isabel Otter und Ana Sender
In diesem Diversity-Kinderbuch finden sich 20 fast vergessene Märchen aus aller Welt.
Normalerweise sind Mädchen bzw. junge Frauen in vielen Märchen eine Prinzessin, die von einem Helden gerettet werden muss und ihr eigenes Leben nicht selbst bestimmen kann.
Aber so sind nicht alle Märchen! Es gibt viele andere aus den verschiedensten Kulturen, die wir zum großen Teil noch gar nicht kennen.
Solche fast vergessenen Märchen versammelt dieses Buch, sie erzählen alle von weiblichen Heldinnen, die mutig, schlau und listig sind. Diese Mädchen mögen manchmal nicht das Richtige sagen oder falsche Entscheidungen treffen, aber sie sind eben richtige Mädchen.
Und solche Mädchen brauchen niemanden, der sie rettet!
Quelle: google Books
Vgl. auch: Das Bild vom Kind – Was bedeutet Kind-sein?
Quellen:
1) H. Addam & C. Barratt-Pugh: The challenge of monoculturalism: what books are educators sharing with children and what messages do they send? (in: The Australian Educational Researcher volume 47, pages815–836 (2020)