Baby Ideal – ein kleines Leben im Wettlauf mit der Zeit
Der kleine Ideal kämpfte seit seiner Geburt um sein Leben. Ein schwerer Herzfehler und eine Fehlbildung der Speiseröhre machten jede Mahlzeit zur Gefahr. Wie seine Familie mit letzter Kraft nach Deutschland kam und wie wir gemeinsam mit vielen Unterstützern die lebensrettende Operation möglich machten – davon erzählte diese Geschichte.
Ein neuer Anfang in einem verletzten Land
Als Ideal 2003 zur Welt kam, war der Himmel über Pristina (Hauptstadt im Kosovo) grau. Ein weiteres Kind in einem Land, das gerade erst begonnen hatte, sich von den Wunden des Krieges zu erholen. Vgl. Jugoslawienkrieg: unsere Hilfsaktion mit Heino & Dunja Rajter
Für seine Mutter Fevzie war dieser Tag trotzdem ein Lichtblick. Sie hatte sich so sehr auf ihr Baby gefreut. Als sie ihn das erste Mal im Arm hielt, war da nur Liebe – und die Hoffnung auf ein besseres Leben für ihr Kind.
Die erschütternde Diagnose
Ideal mit seinem Papa im Krankenhaus
Doch schon kurz nach der Geburt merkten die Ärzte in der Geburtsklinik, dass etwas nicht stimmte.
Ideal bekam schlecht Luft, trank kaum, verschluckte sich immer wieder. Untersuchungen brachten die schreckliche Wahrheit ans Licht: Der kleine Junge war mit einem angeborenen Herzfehler und einer lebensbedrohlichen Fehlbildung der Speiseröhre geboren worden.
Die Ärzteschaft in Pristina gab ihr Bestes. Aber sie hatten weder die technischen Möglichkeiten noch das Geld, um Ideal die Operationen zu ermöglichen, die er dringend brauchte. Jedes Mal, wenn Fevzie den Flur der Klinik entlangging, hatte sie Angst vor dem, was sie hören würde.
Eines Tages sprach eine Ärztin schließlich die Worte aus, die der Mutter den Boden unter den Füßen wegzogen:
„Wenn wir hier nichts Grundlegendes ändern können, wird Ihr Sohn diese Krankheit nicht überleben“
Die schwerste Entscheidung einer Mutter
Die junge Mutter wusste, was das bedeutete. In ihrem Land gab es keine Chance auf eine so komplexe Behandlung. Sie verbrachte schlaflose Nächte am Bett ihres Sohnes. Sie sah, wie seine großen, dunklen Augen sie suchten – wie er versuchte zu lächeln, obwohl ihm selbst das Atmen schwerfiel. Und irgendwann wusste sie: Wenn sie blieb, würde sie ihn verlieren.
In ihrer Verzweiflung griff sie zum Telefon und rief ihren Schwager Rifat an, der in Deutschland als Hilfsarbeiter lebte:
„Bitte, hilf uns. Such einen Arzt, der Ideal operiert. Hier wird er sterben.“
Hilfe aus der Ferne
Rifat zögerte keinen Moment. Er war kein reicher Mann. Doch in diesem Augenblick zählte nur eines: das Leben seines Neffen.
Er kratzte alle seine Ersparnisse zusammen,
bat Freunde, Kollegen und Bekannte um Hilfe.
Und gemeinsam schafften sie es, Mutter und Kind nach Deutschland zu holen.
Eine Reise voller Hoffnungen, aber auch voller Ungewissheit begann. In München fanden sie eine Klinik, in der man bereit war, Ideal zu untersuchen.
Die erste große Operation am Herzen
Die erste große Operation galt seinem Herzen. Ein komplizierter Eingriff, bei dem alles auf dem Spiel stand.
Der kleine Ideal hatte gekämpft – und gewonnen!
Zum ersten Mal seit langer Zeit konnte Fevzie ein wenig aufatmen. Als sie ihren Sohn wieder sah, lag er still im Bett, aber er lebte.
Sein kleiner Brustkorb hob und senkte sich in einem regelmäßigen, neuen Rhythmus.
Ideal musste in seinem zarten Alter viel ertragen
Die unsichtbare Gefahr: Ideals Speiseröhre
Doch die Erleichterung hielt nicht lange. Die Ärzte erklärten, dass die Fehlbildung seiner Speiseröhre weiterhin eine ständige Gefahr darstelle. Nahrung und Speichel gerieten immer wieder in die Lunge.
Ideal hustete viel, bekam schwere Infektionen, nahm kaum an Gewicht zu.
Er konnte das, was andere Kinder in seinem Alter längst gelernt hatten – essen, trinken, schmecken – nur unter größten Mühen.
Eine 2. sehr komplizierte Operation an der Speiseröhre war nötig. Nur so konnte Ideal eine Chance auf ein normales Leben bekommen.
Ohne diesen Eingriff war jede Mahlzeit ein Risiko, jede Erkältung potenziell lebensbedrohlich. Und je länger man wartete, desto größer wurden die Gefahren für bleibende Schäden.
Eine Summe, die alles überstieg
Für Ideals Eltern fühlte es sich an, als würde sie wieder an den Anfang zurückgeworfen. Sie hatte es mithilfe ihres Schwagers bis hierher geschafft. Doch nun standen sie vor einer Mauer: Die Kosten der Operation lagen bei rund 30.000 Mark. Für eine Familie, die aus einem Kriegsgebiet geflohen und völlig verarmt war, war diese Summe unvorstellbar.
Rifat hatte bereits alles gegeben. Mehr konnte er nicht tun.
Und wieder stand das Leben seines kleinen Sohnes auf dem Spiel.
Bild der Frau berichtete über unsere Spendenaktion für Ideal
Unsere Kinderhilfe wird auf Ideal aufmerksam
In dieser ausweglosen Situation wandten sie sich an unsere Kinderhilfsorganisation. Wir hörten zu – und wussten: Wir dürfen dieses Kind nicht im Stich lassen.
Sofort richteten wir ein Spendenkonto für das Baby ein und riefen über Zeitungen und Medien zum Spenden auf (zum Presse-Artikel).
Denn aus unserer langjährigen Erfahrung war uns klar, dass viele Menschen bereit sind zu helfen, wenn sie erfahren, dass ein Kind in so großer Not ist. Und wir haben persönlich erlebt, wie aus Verzweiflung neue Hoffnung entstehen kann, wenn Menschen zusammenstehen.
Neue Lichtblicke
Die Eltern schöpften neue Kraft, als sie erfuhren, dass wir uns für ihren Sohn einsetzten. Sie waren nicht mehr allein mit ihrer Angst.
Während Ideal weiter hustete, abmagerte und doch immer wieder versuchte zu lächeln, lief ein tödlicher Wettlauf mit der Zeit.
Jeder Tag ohne Operation erhöhte das Risiko für bleibende Schäden. Jeder Tag brachte neue Sorgen und Unsicherheiten.
Ideal ist überglücklick seinen Papa nach dem Aufwachen zu sehen
Die 2. Operation – Zwischen Angst und Zuversicht
Und tatsächlich schafften wir es mit vereinten Kräften, mit vielen lieben Spendern, die nötige Summe aufzubringen.
Aus vielen einzelnen Gesten des Mitgefühls und der Solidarität wurde so ein starkes Zeichen der Hoffnung – für Ideal, für seine Mutter und für alle, die mit ihnen bangten.
Fazit: Was uns Ideals Geschichte lehrt
Ideal kann wieder lachen
Diese Geschichte erzählt von Angst und Verzweiflung, aber auch von Mut und Zusammenhalt. Sie zeigt, was möglich ist, wenn wir hinsehen und handeln.
Wenn ein Hilfsarbeiter seine Ersparnisse gibt.
Wenn eine Mutter niemals die Hoffnung aufgibt.
Wenn eine Gemeinschaft beschließt, dass das Leben eines einzigen Kindes unendlich viel wert ist.
Und sie erinnert uns daran, dass hinter jedem Foto eines lächelnden Kindes oft eine Geschichte steht, die wir auf den ersten Blick nicht sehen.
Ideal kämpfte um sein Leben. Und weil Menschen sich berühren ließen und gemeinsam handelten, bekam er die Chance, es zu leben.

