Sojas Weihnachtswunder

Soja war erst 3 Jahre alt, als sie bereits um ihr Leben fürchten musste. Ein schwerer Herzfehler konnte in ihrer Heimat Russland nicht behandelt werden. Ihre Eltern setzten alles in Bewegung - zum Glück, konnten wir rechtzeitig helfen!

Sojas Weihnachtswunder: Wie ein kleines Mädchen aus Omsk die Herzen in Deutschland berührte

Wie ein kleines Mädchen aus Omsk die Herzen in Deutschland berührte

Als wir im Herbst 2001 zum ersten Mal von der kleinen Soja aus Omsk hörten, hatte die 3-Jährige mit den leuchtend braunen Augen und den dunklen Locken nur einen einzigen Weihnachtswunsch:

Lieber Gott, bitte lass mich nicht sterben.

Jeden Tag ging ihre Mutter Tatjana mit ihr in die Kirche und jeden Tag sprach Soja dieses Gebet. Sie war erst 3 und wusste doch schon, dass ihr Leben auf Messers Schneide stand.

 

Eine Familie im Ausnahmezustand

Seit ihrer Geburt litt Soja unter einem schweren, 4-fachen Herzfehler. Ihr kleiner Körper bekam zu wenig Sauerstoff, sie wurde schon nach kurzen Wegen müde, lief blau an, musste sich immer wieder ausruhen.

Die russischen Ärzte hatten alles versucht, was vor Ort möglich war. Doch die entscheidende, lebenserhaltende Operation konnte in Omsk nicht durchgeführt werden. Es fehlten die Apparate, die Erfahrung und die finanziellen Mittel.

 

Soja ist das größte Glück ihrer Eltern

Mit dem Mädchen litten ihre Eltern

  • Tatjana hatte ihre Arbeit als Verkäuferin aufgegeben, um ihre Tochter zu pflegen.

  • Alexej, Straßenbauingenieur, arbeitete als Vorarbeiter in einer Fabrik, um die Familie zu ernähren.

Es waren einfache, anständige Menschen, deren größtes Glück in Gefahr war: das Leben ihrer Tochter. Die Prognose war hart und klar: Ohne eine hochspezialisierte Operation in den kommenden Monaten würde Soja ihren 4. Geburtstag nicht erleben.

 

Ein Freund, der nicht wegsehen wollte

In dieser ausweglosen Situation kam Hilfe vom besten Freund ihres Vaters, Wladimir Grabowski. Er war vor einigen Jahren nach Deutschland gezogen und hatte dort ein neues Zuhause gefunden. Als er von der Diagnose erfuhr, traf er eine Entscheidung aus dem Herzen heraus:

Ich kann doch nicht zuschauen, wie mein bester Freund seine Tochter verliert.

Wladimir blieb nicht tatenlos: er nahm Kontakt mit unserer Kinderhilfe auf, weil er wusste, dass wir uns seit Jahren für notleidende Menschen in Russland eingesetzt hatten. Als wir von Sojas Schicksal erfuhren, war uns klar: Hier musste schnell gehandelt werden.

 

Die Chance in Deutschland

Professor Markus Heinemann mit Mama Tatjana und Soja

Unser Team suchte nach einer Klinik, die die hochkomplexe Operation übernehmen konnte. Schließlich erklärte sich Professor Markus Heinemann bereit, Spezialist für Kinderherzchirurgie an der Universitätsklinik in Mainz. Seine Einschätzung war allerdings eindeutig:

Die Operation durfte nicht länger hinausgezögert werden!

Allerdings gab es ein großes Hindernis: die Kosten. Etwa 50.000 D‑Mark waren damals nötig für: Transport aus Sibirien, Krankenhausaufenthalt, Medikamente und den Einsatz der teuren Technik.

Wir verhandelten mit den Ärzten in Deutschland, damit sie auf ihr Honorar verzichteten – doch selbst ohne diese Kosten war die Summe für Sojas Eltern unvorstellbar hoch. Tatjana und Alexej hatten dieses Geld nicht. Auch mithilfe von Wladimir war es nicht aufbringbar.

 

Ein Aufruf, der Wellen schlug

Also starteten wir eine medienwirksame Hilfsaktion. Petra Windisch de Lates (unsere Vorsitzende) flog selbst nach Omsk, besuchte Soja und ihre Familie und erzählte ihre herzzerreißende Geschichte in Deutschland.

Fernsehberichte, unter anderem in der Sendung „Taff“ auf ProSieben, und ein bewegender Artikel im Münchner Wochenblatt machten das Schicksal der kleinen Soja bekannt.

Die Reaktion der Leserschaft war überwältigend! Menschen, die Soja nie begegnet waren, halfen direkt. Mit vielen einzelnen Beiträgen, großen und kleinen, füllte sich das Spendenkonto. Schritt für Schritt kam die Summe zusammen, die über Sojas Leben oder Tod entschied.

Aus einer verzweifelten Bitte wurde eine Welle der Hilfsbereitschaft.

 

Auch “Das Goldene Blatt” berichtete regelmäßig über unsere Hilfsaktionen

 

8 Stunden zwischen Leben und Tod

Soja konnte nach Deutschland reisen. Die Ärzte in Mainz bereiteten die komplizierte, achtstündige Operation vor. Für Tatjana und Alexej begann die längste Wartezeit ihres Lebens …

Soja schwebte 8 Stunden zwischen Leben und Tod

Während im Operationssaal um jedes Millimeterchen Herzgewebe gekämpft wurde, saßen die Eltern im Krankenhausflur – hofften, bangten und klammerten sich an den Gedanken, dass so viele Menschen in Deutschland an ihre Tochter dachten.

Als die Operation beendet war, gab es schlechte Nachrichten:

  • Sojas Herz war zu schwach, um sofort von allein regelmäßig zu schlagen.

  • Die Ärzte versetzten sie in ein künstliches Koma, um ihr kleines Herz zu entlasten.

Wieder begannen Tage des Hoffens und Bangens. Würde sie aufwachen? Oder war die Belastung zu groß gewesen? Zum Glück erwachte Soja wieder … und alle waren erleichtert: die Eltern, Ärzte und Pflegekräfte – und wir natürlich!

 
Zeitungsbericht über Sojas erfolgreiche OP

“Das Goldene Blatt” berichtete über Sojas erfolgreiche OP

Auch das “Münchner Wochenblatt” informierte seine Leser:innen

 

Soja kann wieder strahlen

Ein 4. Geburtstag, der nie selbstverständlich war

Im Mai 2002, wenige Monate nach der Operation, feierte Soja ihren Geburtstag.

Ein Tag, den sie ohne die lebensrettende Behandlung in Deutschland nie erlebt hätte.

Sie lachte, spielte, strahlte – so, wie es ein Kind in diesem Alter tun sollte.

 

Fazit: Was uns Sojas Geschichte zeigt

Diese Geschichte liegt schon einige Jahre zurück – doch sie zeigt uns bis heute, was wir gemeinsam erreichen können:

Wir standen noch viele Jahre mit der Familie in Kontakt: Das ist Soja wenige Jahre später - gesund und glücklich!

  • Ein Kind, das nur noch ein halbes Jahr zu leben gehabt hätte, bekam eine echte Zukunft.

  • Eine Familie, die am Rand der Verzweiflung stand, durfte neue Hoffnung schöpfen.

  • Menschen, die sich nicht kannten, wurden zu einer Gemeinschaft, die ein Leben rettete.

Sojas Weihnachtswunder war mehr als eine medizinische Erfolgsgeschichte. Es war ein Beweis dafür, dass Mitgefühl, Engagement und Zusammenhalt Grenzen überwinden können – von Omsk nach München, von Mainz zurück nach Sibirien.

Wir blicken dankbar zurück.

Und wir wissen: Jeder Beitrag, jedes offene Herz, jede einzelne Entscheidung, nicht wegzusehen, hat dazu beigetragen, dass ein kleines Mädchen heute sagen kann: “Ich lebe.”


Tamara Niebler

Tamara ist studierte Germanistin & Philosophin (M.A.). Sie bereichert unsere Websites mit philosophischen Denkanstößen und sachkritischen Fachtexten zu Soziologie, Armutsforschung und Philosophie der Kindheit. Tamaras Motto: „Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen“ (Franz Kafka)

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