Schulfähigkeit & Kompetenzen – Der Kita-Endspurt
Um die Schulfähigkeit bei deinem Kind festzustellen, gibt es keine Liste zum Abhaken. Vielmehr ist darauf zu achten, ob mehrere Faktoren, wie die Zahnräder eines Uhrwerks, ineinandergreifen. Besondere Leistungen bedeuten also nicht, dass dein Kind die Schulreife erlangt hat: Zum Beispiel ist ein Kind, das vor dem Schuleintritt schon lesen oder schreiben kann, nicht automatisch schulfähig.
Wann ist ein Kind schulreif?
Und warum?
Um von Schulfähigkeit sprechen zu können, sind unterschiedliche Faktoren wichtig. Bei der Einschulungsuntersuchung wird darauf geachtet, wie stark diese Faktoren ausgeprägt sind und wie sie zusammenspielen. Zu den nötigen Kriterien zählen:
Aspekte zu Körper, Bewegung und Gesundheit
Soziale und emotionale Fähigkeiten
Kognitiver Entwicklungsstand
Sprachliche Bildung und Fertigkeiten
Grundkenntnisse im Bereich der Mathematik und Technik
Hier wird also geschaut, wie gut Kognition, Emotion und Körper miteinander harmonieren. Dabei wird ebenfalls auf unterschiedliche Faktoren geachtet:
Kognition:
Konzentrations-fähigkeit
Herstellen von Zusammenhängen
Wahrnehmung
Emotion:
Konflikte
Umgangston
Körper:
Gewicht/Größe
Augen/Ohren
Motorik
Bei der Einschulungsuntersuchung wird auch überprüft, ob alle anderen Bereiche gut entwickelt sind. Nur, wenn auf dieser Grundlage ein Kind als schulfähig eingestuft werden kann, ist auch gewährleistet, dass ein Kind die Anforderungen und den Schulalltag bewältigen kann.
Motorik – körperliche Entwicklung
Wichtig ist eine gesunde, körperliche Entwicklung. Hier werden nicht nur Größe und Gewicht überprüft, sondern auch sichergestellt, dass Augen und Ohren nicht beeinträchtigt sind. Werden diese Aspekte nicht im Vorfeld geprüft und evtl. Entwicklungsprobleme festgestellt, kann es beim Lernen später zu erheblichen Schwierigkeiten kommen.
Vor der Einschulungsuntersuchung überprüfen und beobachten daher die pädagogischen Fachkräfte in der Kita in regelmäßigen Abständen die Entwicklungsbereiche deines Kindes.
In der Kita werden unter anderem zum Bereich „Motorik“ folgende Aspekte überprüft: Kann das Kind …
auf einem Bein balancieren?
rückwärts laufen?
einen Ball problemlos fangen?
mit einer Schere umgehen?
laufen, werfen, balancieren?
gut sehen und hören?
verständlich sprechen (Wortschatz, Aussprache, korrekte Satzstellung)?
Dein Kind wird dazu im Miteinander mit anderen Kindern und in spielerischen Situationen beobachtet.
Kognition – geistige Fähigkeiten
Zu den geistigen Fähigkeiten zählen z. B. die Ausdauer, bei Problemlösungen, das Herstellen von Zusammenhängen, die Wahrnehmung der Sinne und Konzentrationsfähigkeit.
Mehr erfahren » Konzentrationsübungen für Kinder sowie » 7 Tipps um Konzentration bei Kindern zu fördern
Ein wichtiger Aspekt, ist die klare Aussprache von Wörtern und das Zählen bis mindestens zur Zahl 10. Auch das Gedächtnis ist Teil des Entwicklungsstandes der Kognition.
Kann dein Kind seine Aufmerksamkeit auf verschiedene Aufgaben richten? Kann es sich vieles merken und auf eine Sache konzentrieren? Oder lässt es sich leicht ablenken? Kann es Regeln begreifen?
Wichtig ist in diesem Bereich auch die Konzentrationsspanne. Diese sollte bei der Einschulung zwischen 15 und 20 Minuten liegen.
Emotionale & soziale Entwicklung – das Miteinander
Hier geht es darum, den Umgang mit anderen Kindern einzuschätzen. Da dein Kind sich in der Kita mit großer Wahrscheinlichkeit anders verhält als zu Hause, ist eine gute und enge Kommunikation zwischen dir als Elternteil und der Bezugsfachkraft deines Kindes essenziell.
Zudem ist auch das Durchsetzungsvermögen wichtig, das dein Kind innerhalb einer Gruppe zeigt. Wie ist der Umgangston in der Interaktion mit anderen Kindern? Gibt es einen respektvollen Umgang im Miteinander?
Je positiver sich diese Fragen beantworten lassen, umso positiver kann dieser Bereich bewertet werden.
Schulfähige Kinder?
– Das musst du wissen
Die Beobachtungen und Feststellungen der pädagogischen Fachkräfte, sind der Vorreiter der Einschulungsuntersuchung. Sie ersetzen jedoch diese Untersuchung nicht.
Diese ist unerlässlich und wird von einem Arzt /einer Ärztin durchgeführt. Mediziner vergleichen die Kompetenzen deines Kindes mit dem „Soll“-Entwicklungsstand.
Soll-Entwicklungsstand: beschreibt, welche Fähigkeiten ein Kind in einem bestimmten Alter idealerweise beherrschen sollte.
Ist-Entwicklungsstand: beschreibt das aktuelle Niveau oder den Reifegrad eines Kindes zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Im Nachzug darfst du als Elternteil entscheiden, ob du die Ergebnisse an die pädagogische Bezugsfachkraft deines Kindes weiterleitest. Somit können noch einmal mehrere Perspektiven und Beobachtungen zusammengefügt werden.
Denn manchmal ist es möglich, dass ein Kind aufgrund überhöhter Aufregung, seine Fähigkeiten nicht ganz entfalten kann, da es sich zum einen um eine gestellte und zum anderen um eine prüfungsähnliche Situation handelt.
Wann dürfen Kinder eingeschult werden?
Das ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Jedes Bundesland darf jedoch den Zeitpunkt für die Einschulungsuntersuchung selbst bestimmen. In der Regel erfolgt die Einstellung zwischen dem 5. und 6. Lebensjahr.
Daher sollte auf Stichtage geachtet werden. Ein Kind, das vor dem Stichtag 6 Jahre alt wird, wird eingeschult. Wer nach dem Stichtag seinen 6. Geburtstag feiert, kann in die Schule gehen oder noch ein Jahr warten.
Die entsprechenden Stichtage werden ebenfalls von den Bundesländern festgelegt. Meist wird der Zeitraum vom 30.06. – 30.09. gewählt. Eine frühere Einschulung ist möglich, wenn ein Kind in allen Kompetenzen bereits so weit ist, dass eine Schulfähigkeit gewährleistet ist.
Im Gespräch mit den pädagogischen Bezugsfachkräften des Kindes wird abgewogen, ob eine frühzeitige Einschulung das Richtige ist.
Dabei sollten die Bedürfnisse des Kindes zu jeder Zeit, an erster Stelle stehen. Die verfrühte Einschulung muss jedoch bei der Schulleitung der gewünschten Grundschule beantragt werden.
Fit für die Schule – so kannst du dein Kind unterstützen
Körperliche Entwicklung:
Viel Bewegung an der frischen Luft
Ausmalbilder
Kreative Bastelprojekte umsetzen (Bügelperlen, Origami etc.)
Dialogisches Vorlesen
Schwungübungen
Ein Brot schmieren
Knöpfe öffnen
Schnürsenkel binden
Kognition:
Kinderrätsel
Geschicklichkeitsspiele
Suchbilder
Labyrinthe
Reime aufsagen
Spiele, wie „Ich packe meinen Koffer“
Alltagsaufgaben („Holst du bitte…“ ; „Räumst du bitte…“)
Sortier- und Sammelaufgaben
Spielzeuge mit geometrischen Formen und Farben
Puzzle
Emotionale und soziale Entwicklung:
Gesellschaftsspiele
Experimente
Geschicklichkeitsspiele
Spielen mit anderen Kindern
Familienkonferenzen
Dialogisches Vorlesen
Quellen
1) Pro Kita Portal: Schulfähigkeit
2) Haus der Schulfähigkeit: Was heißt Schulfähigkeit?
3) Leseliebe: Fit für die Schule mit Vorschulübungen

