Hypersensibles Kind – Wie Eltern sensible Kinder stärken

Das Nervensystem eines hypersensiblen Kindes reagiert empfindlicher auf Reize und Informationen. Das passiert aufgrund von mehr Neurotransmittern. Hochsensibilität führt im Alltag daher schnell zur Überreizung. Darum ist es wichtig, zu wissen, was hypersensiblen Kindern hilft, um den Alltag weniger überreizt zu erleben und das Leben zu genießen.

Unterschied: hypersensibel ist nicht hochbegabt

Hypersensibles Kind unterstützen

Jeder Mensch besitzt eine gewisse Sensibilität, doch Hoch- oder Hypersensibilität ist eine besondere Ausprägung, bei der die Wahrnehmung und Verarbeitung von Reizen intensiver ist und mehr Raum für Ruhe und Erholung benötigt wird.

Oft werden Hochsensibilität und Hochbegabung miteinander verwechselt oder gleichgesetzt.

Hinter beiden Konzepten stehen jedoch andere Merkmale und Kontexte: Laut offiziellen Schätzungen sind 15–20 % der Bevölkerung hochsensibel, doch nur 2,3 % hochbegabt. Ersteres bezieht sich auf Reiz- und Reaktionsverarbeitung, letzteres auf überdurchschnittliche Intelligenz und außergewöhnliche Fähigkeiten (in bestimmten Bereichen).

Zwar sprechen sich viele hochsensible Menschen selbst eine besondere Begabung zu, das ist aber längst keine Hochbegabung: Ein hypersensibles Kind ist in den allerseltensten Fällen hochbegabt. Es hat vielleicht ein ausgeprägtes Interesse an bestimmten Dingen, doch das hat nichts mit einer außergewöhnlichen Intelligenz oder Fähigkeit zu tun.

 

Ist mein Kind hypersensibel?

21 Anzeichen, die auf Hypersensibilität hindeuten

  1. Es nimmt Details wahr, die anderen entgehen

  2. Es analysiert und reflektiert stark

  3. Es wägt Entscheidungen gründlich ab

  4. Es erschreckt sich schnell

  5. Es schreckt vor kratziger Kleidung, Sockennähten oder Etiketten zurück

  6. Es mag keine großen Überraschungen

  7. Es scheint Gedanken lesen zu können

  8. Es hat einen sehr gehobenen Wortschatz für sein Alter

  9. Es nimmt jeden Geruch wahr

  10. Es ist sehr intuitiv

  11. Es benötigt nach einem aufregenden bzw. eindrucksvollen Tag lange, um „herunterzufahren“ und einzuschlafen

  12. Ihm fallen große Veränderungen schwer

  13. Es mag sand – und nässebehaftete Kleidung nicht; muss sich sofort umziehen

  14. Es stellt viele Fragen

  15. Es ist perfektionistisch

  16. Es fühlt die Not anderer

  17. Es mag ruhige Spiele

  18. Es stellt tiefgründige Fragen

  19. Es ist schmerzempfindlich

  20. Es fühlt sich in Umgebungen mit lauten Geräuschen nicht wohl

  21. Es bemerkt Feinheiten (Veränderungen, wenn etwas umgestellt wurde, das Aussehen einer Person etc.)

Vgl. Hochsensibilität bei Kindern

 

Leben mit viel Gefühl, aber wenig Filtern

Das Nervensystem eines hypersensiblen Kindes hat wenig Filter, die es vor Umweltreizen und Eindrücken schützen. D. h., es reagiert empfindlicher auf Geräusche, Lichter, Gerüche, Lärm, Atmosphären etc. 

Weniger sensible Menschen haben neurobiologische “Filter” im Gehirn. Diese trennen wichtige von unwichtigen Informationen und sortieren Reize aus. Diesen Filter gibt es bei hochsensiblen Menschen nicht. Ein hypersensibles, vielfühlendes Kind kann im Falle einer Überreizung also durchaus aggressives Verhalten zeigen. Zu viele Reize auf einmal können auch dazu führen, dass es innerlich abschaltet und sich zurückzieht. Vgl. emotionaler Stress bei Kindern

Schüchternheit und Introversion sind bei sensiblen Menschen nicht selten. Aufgrund der vielen Reize und Informationen ist das Spielen mit anderen Kindern für ein hypersensibles Kind sehr anstrengend. Daher spielt es oft allein. 

Jedoch haben hochsensible Kinder eine äußerst hohe und ausgeprägte Empathiefähigkeit. Sie haben in Bezug auf ihr Umfeld eine sehr mitfühlende Art. Hypersensible Kinder sind aufmerksam, kreativ und fantasievoll. 

 
Ein hypersensibles Kind stärken

Ein hypersensibles Kind stärken

10 Tipps, sensible Kinder zu unterstützen

  1. Lege lieber den Fokus auf die Stärken und lobe diese

  2. Rituale und Regeln im Alltag bieten Sicherheit und Orientierung – vgl. Familienregeln

  3. Biete gern genug Zeit und Raum für Ruhezeiten (Wie viele dein Kind braucht? Verlasse dich dabei gern auf dein Bauchgefühl oder frage es direkt, wenn es schon älter ist)

  4. Knüpfe gern Kontakt zu anderen Eltern, deren Kinder ebenfalls hypersensibel sind. (Hier können Beratungsstellen weiterhelfen.)

  5. Zeige gegenüber den Emotionen deines Kindes Verständnis und Mitgefühl (z. B.: „Ich sehe, du bist traurig, weil es nicht funktioniert hat.“)

  6. Fühlt dein Kind sich in Erlebnisräumen außerhalb von zu Hause noch nicht sicher, lade andere Kinder zu euch nach Hause ein.

  7. Unterstütze dein Kind im Spiel mit anderen Kindern, indem du für einen Moment der Unsicherheit deines Kindes, die Spielführung übernimmst. Vgl. Freundschaften bei Kindern fördern

  8. Schaffe Situationen, in denen dein Kind positive Erfahrungen sammeln kann.

  9. Sobald du in einer Situation merkst, dass dein Kind etwas selbstständig tun kann, ziehe dich zurück.

  10. Vermeide in jedem Fall Zeitdruck. 


Quellen:
1) AOK: Hochsensible Kinder
2) Sandra Quedenbaum Coaching: So wird dein hochsensibles Kind selbstbewusst
3) Zart besaitet – Verein zur Förderung hochsensibler Menschen: Hochsensible Kinder in ihrem Selbstbewusstsein fördern

Svenja Gleffe – Redaktion Deutsche Lebensbrücke

Svenja schreibt als ausgebildete Pädagogin über kindliche Entwicklung und unterstützt unsere Redaktion mit fundierten Fachtexten. Ihr Motto: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen!“ (Aristoteles)

Co-Autorin: Tamara Niebler, freie Journalistin und seit mehreren Jahren Teil des Redaktionsteams der Deutschen Lebensbrücke.

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