Erziehen ohne Schreien – mehr Leichtigkeit im Alltag

Und plötzlich hast du dein Kind angeschrien. Es tut dir nicht nur leid, sondern du fragst dich auch, was du jetzt tun kannst. Eins vorweg: Nur weil du Elternteil bist, bist du immer noch ein Mensch. Du handelst bereits, indem du diesen Artikel liest und hier hilfreiche Tipps erfährst, damit du solche Situationen vermeiden kannst. 

Erziehen ohne Schreien

Schreien in der Erziehung

Das Verhalten deines Kindes oder anderer Menschen in deinem Umfeld, sind meist nur ein Auslöser für deine Wut. Die Ursache sind häufig alte, längst überholte Glaubenssätze, toxische Vorbilder oder dysfunktionale Verhaltensmuster in der Familie.

Hier ein paar Impulsfragen:

  • Bist du schnell gereizt, wenn du noch nicht genug gegessen hast?
    » Wenn ja, achte mehr auf deine Mahlzeiten und balanciere deinen Energiehaushalt gut aus.

  • Bist du schneller erschöpft, wenn du weniger geschlafen hast?
    » Wenn ja, dann achte auf ausreichend und frühen Schlaf ebenso, wie auf Entspannungstechniken.

    Vgl. Resilienstärkung im Alltag für Familien

  • Wird dir im Alltag alles zu viel, weil du täglich viel erledigen musst?
    » Wenn ja, führe in jedem Fall ein Gespräch mit deinem Partner/deiner Partnerin. Falls du alleinerziehend bist, suche das Gespräch mit Großeltern, Freunden, Nachbarn etc. denen du vertraust und die dich entlasten könnten. Versucht, die Aufgaben untereinander gerecht aufzuteilen. 

 

Folgen: Das bewirkt Anschreien bei Kindern

  1. Dein Kind lernt das Schreien als Konfliktbewältigungsstrategie kennen und ahmt es nach (Lernen am Modell)

    Vgl. Wutanfälle bei Kleinkindern

  2. Dein Kind fühlt sich provoziert, was in ihm ebenfalls Gefühle, wie Aggression freisetzt.

  3. Dein Kind wird sich nicht mehr so eng mit dir verbunden fühlen, wenn es regelmäßig angeschrien wird. 

    Vgl. Bindungstrauma und bindungsorientierte Erziehung

 
5 Tipps & Strategien, mit denen du Schreien vermeiden kannst

5 Tipps & Strategien, mit denen du Schreien vermeiden kannst

1) Formuliere bewusst positiv

Verwende in der Kommunikation gern positive Formulierungen. Sag zum Beispiel, wenn dein Kind schreit und quengelt

  • lieber: „Sprich leiser, mein Schatz, ich höre dir zu.“

  • anstatt: „Hör auf zu schreien!“


2) Formuliere Aussagen klar und deutlich

  • Lieber: „Bitte hebe… auf und lege es in …“

  • Statt: „Wir müssen noch… aufräumen.“


3) Höre deinem Kind aktiv zu

Schenke deinem Kind die volle Aufmerksamkeit, wenn es mit dir spricht. Nimm es in jedem Fall ernst. 


4) Baue proaktive Pausen ein

Bemerkst du bei dir Erschöpfung oder negativen Stress, gönne dir am besten mehrere Pausen pro Tag.

Vgl. "Mama Burnout": Das sind die Symptome einer überforderten Mutter

Gestalte diese mit deinem Kind als „Zeit – oder Ruheinseln“. In dieser Zeit darf sich dein Kind still beschäftigen, eine Fantasiereise erleben etc.

Vgl. Unruhe bei Kindern: 10 Tipps bei überdrehten Kindern


5) Wende Beruhigungstechniken an

Techniken zum mentalen Stressabbau helfen dir dabei, schneller zur Ruhe zu kommen. Das können Atem – oder Zählübungen sein, Mini – Meditationen oder Visualisierungen. 

Vgl. Konzentration bei Kindern fördern – 7 Übungen (Kita)


 

3 typische Situationen, die Eltern zur Weißglut bringen


Unter Zeitdruck

Bist du bereits Druck ausgesetzt und dein Kind wechselt nun zum dritten Mal die Schuhe, weil es beim Kinderarzttermin richtig gut aussehen möchte, ist es sehr wahrscheinlich, dass dein Geduldsfaden schneller reißt.

Plane daher unbedingt mehr Zeit ein bzw. sage deinem Kind früh genug Bescheid, damit es auch fünfmal die Schuhe wechseln kann.

Visualisiere dabei die zeitliche Begrenzung, zum Beispiel mit einer Sanduhr. Somit hat dein Kind ein Zeitlimit und ist vorbereitet.


Abendliches Drama

Der Tag war anstrengend für alle und nun noch schnell einkaufen?

Weniger gute Idee. Vermeide Situationen, die bereits im normalen Zustand eskalieren könnten.

Plane für dein Kind und dich den Tag entlastender. 


Unterbewusste Erwartungen

Ihr seid zu einer Feier mit Kind eingeladen und du hast die Liste an erwartetem Verhalten deines Kindes gedanklich schon geschrieben?

Verwerfe sie. Denn eine Erwartung verursacht automatisch im Unterbewusstsein einen entsprechenden Erwartungsdruck – und das strahlst du aus.

Wahrscheinlich hast du das Ganze bereits erlebt: Genau dann, obwohl alles besprochen war, passiert genau das Gegenteil. Und du fängst an zu schreien. Besser ist es, deine Erwartungen herunterzuschrauben – sie sind ohnehin nur aus der Erwachsenenperspektive logisch, dein Kind versteht davon vieles noch nicht.


 
3 SOS-Tipps, bevor alles eskaliert

3 SOS-Tipps, bevor alles eskaliert

1) Atme bewusst und tief

Wenn wir wütend sind, steigt unser Adrenalinspiegel rasant. Daher rauscht uns dann manchmal das Blut in den Ohren oder unser Körper spannt sich an, wie ein Brett (das merken wir häufig erst, wenn sich nach der Wut unerklärlicher Muskelkater zeigt).

Ist unser Alarmsystem im Gehirn aktiviert, ist es für uns Menschen unmöglich, zur gleichen Zeit logisch zu denken.

Wende in einem Moment der Wut, gern die 3-7-8 Atemmethode an.

Zähle dafür bis 3 und atme dabei ein, halte für 7 Sekunden den Atem und atme auf 8 aus. 

2) Geh aus der Situation

Wenn du merkst, dass du kurz vorm Explodieren bist und dich nicht regulieren kannst, verlasse sofort die Situation. Geh aus dem Raum und atme ein paar Mal durch.

3) Nutze Humor

Lachen verbindet und es gibt kein schnelleres Mittel, um Wut und negativen Stress abzubauen. Nutze Humor in eurem Alltag, das schafft für Eltern und Kinder mehr Leichtigkeit.

Das gelingt euch z.B. gut durch Quatschwörter oder -sätze. Wer kann sich schon bei „Du großer Nasenpopel!“ oder „Da haut´s mir glatt die Sauce vom Salat!“, halten?

 

Kind angeschrien, was jetzt?

– 3 wertvolle Tipps

Bedauern, das von Herzen kommt

Bedauern, das von Herzen kommt

Selbst, wenn der Grund, warum du deinem Kind gegenüber laut geworden bist, berechtigt war, bedauere in jedem Fall vor deinem Kind dein Verhalten. So lernt dein Kind, dass Schreien nicht in Ordnung ist. Selbst dann nicht, wenn man im Recht ist. 

 
Gefühle benennen

Gefühle benennen

Nach dem Bedauern ist es wichtig, dass dein Kind das „Warum“ deiner Reaktion erfährt.

Sprich hier gern über deine Gefühle (Stress, Überforderung etc.). Äußere dich zu jeder Zeit ehrlich.

Gib zu, wenn dich ein Verhalten wütend oder traurig gemacht hat, und welches Verhalten du dir stattdessen wünschst.

Achte bitte hier auf folgende Dinge:

  • Formuliere Wünsche, keine Erwartungen

  • Bleibe gern bei dir und deinen Gefühlen

  • Vermeide Vorwürfe

  • Kritisiere immer nur das Verhalten deines Kindes, nie seine Persönlichkeit

 
Versprechen halten

Versprechen halten

Formuliere deinem Kind gegenüber konkrete Ideen, wie du dein Verhalten verbessern möchtest.

Motiviere dein Kind im Anschluss dazu, dir gegenüber genauso zu handeln, wenn es selbst wütend ist.

 

Fazit: Erziehen ohne Schreien

Die Begleitung eines Kindes durch den Alltag und ihm die Welt zu erklären, mit dem Wissen, dass dein Kind jederzeit zu dir aufschaut, kann sehr stressig sein. Besonders, wenn man selbst Sorgen hat und noch so viele andere Aufgaben täglich auf einen warten.

Auch, wenn du Elternteil bist, bist du ein Mensch mit Bedürfnissen und Gefühlen. Die Entwicklung und Begleitung deines Kindes, ist eine Reise für euch beide.

Falls es mal wieder unangenehm werden sollte, denk daran: Wachstum findet außerhalb der Komfortzone statt.


Quellen:

1) Olivia Hornsmann: Erziehen ohne Schreien – Hilfe, ich schreie meine Kinder an! (Glücksheldin)
2) Never Perfekt: Kind erziehen ohne Schreien – Sanfte Methoden für die Erziehung
3) Familiiii: Erziehung ohne Schreien: Tipps zum Ruhe bewahren

Svenja Gleffe – Redaktion Deutsche Lebensbrücke

Svenja ist ausgebildete Pädagogin, studierte Fachkraft für frühkindliche Entwicklungsberatung und schreibt als Autorin über Erziehung und Kinderpsychologie. Sie unterstützt unsere Redaktion mit fundierten Fachtexten zu Kinderschutz und Kindesentwicklung. Ihr Motto: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen!“ (Aristoteles)

Co-Autorin: Tamara Niebler, freie Journalistin und seit mehreren Jahren Teil des Redaktionsteams der Deutschen Lebensbrücke.

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