Was ist Familie? – Früher vs. heute: Was Familien ausmacht

Eine Familie kann viele Funktionen und Aufgaben übernehmen – sei es Zusammenhalt, Unterstützung, Fürsorge oder finanzielle Absicherung. Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich nicht nur zahlreiche Familienformen entwickelt, sondern auch die Bedeutung und die Funktionen von Familie haben sich gewandelt. Für manche ist Familie eine Zweckgemeinschaft, die man sich nicht aussuchen kann. Für andere ist sie das Wertvollste, was es gibt.

Wann ist man eine Familie?

Was ist Familie? Bedeutung heute

– und was bedeutet das eigentlich?

Als Familie bezeichnen wir eine Gruppe von Menschen, die biologisch miteinander verwandt sind. Familie ist geprägt von Verantwortung, Liebe, Vertrauen, Unterstützung und Geborgenheit – aber auch von Verletzungen, Gewalt und Konflikten.

Genauso wie sich die Familienformen im Laufe der Zeit verändert haben, hat sich auch die Bedeutung von Familie gewandelt.

In der Zeit der Monarchie verband der Adel den Begriff „Familie“ vor allem mit politischen Verbindungen. Heiraten aus Liebe oder Zuneigung standen dabei kaum im Vordergrund.

Heute ist Familie nicht mehr überlebensnotwendig, ebenso wenig die Ehe. Denn an dessen Stelle ist jetzt eine staatliche Unterstützung getreten. Manche sehen diese Entwicklung kritisch, denn eine Familie nur aus pragmatischem Nutzen zu gründen, nimmt dem Begriff seinen Wert.

Dennoch sehen viele ihre Familie auch heute noch als einen wertvollen und wichtigen Teil ihres Lebens.

 

Woher stammt der Begriff “Familie”?

Das Wort "Familie" stammt vom lateinischen Wort familia ab, das ursprünglich den gesamten Hausstand einschließlich Sklaven, Diener und Verwandte bezeichnete. Im klassischen Latein bezog sich familia auf die Gemeinschaft, die unter einem Haushaltsvorstand, meist dem pater familias, stand. Dieses Wort leitet sich wiederum vom lateinischen famulus ab, was "Diener" oder "Haushaltspersonal" bedeutet.

Im Laufe der Zeit hat sich die Bedeutung des Begriffs hin zu einem engeren Kreis von Menschen entwickelt, die durch Verwandtschaft, Ehe und enge soziale Bindungen miteinander verbunden sind – das ist die heutige Vorstellung von Familie.

 

Was macht Familien wertvoll?

Das hängt von der Perspektive ab. Für viele bedeutet Familie, füreinander da zu sein und einander zu umsorgen. Dabei ist mit „Familie“ nicht immer die Herkunftsfamilie gemeint. In manchen Herkunftsfamilien gibt es ungelöste Konflikte, Ausgrenzungen oder sogar Gewalt. » vgl. Entwicklungstraumadysfunktionale Familientoxische Eltern

Die Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen, die Menschen, die man als Familie betrachtet, schon. Deshalb gehören oft auch Freundinnen und Freunde zur Familie.

 

Was hält Familien zusammen?

Vertrauen, offene Kommunikation und gemeinsame Erlebnisse sind zentrale Faktoren, die den Zusammenhalt innerhalb der Familie maßgeblich stärken. Gegenseitige Unterstützung, Verständnis und das tief verwurzelte Gefühl von Zusammengehörigkeit spielen eine entscheidende Rolle und geben letztlich den Ausschlag für langfristige, stabile und intime Bindungen zwischen den Familienmitgliedern.

 

Welche Familienformen gibt es?

Das Bild von Familie hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Vor einigen Jahren galt noch das klassische Modell „Vater, Mutter und 2 Kinder“. Heute gibt es viele verschiedene, bunte Familienformen:

  • Die Einelternfamilie

    Ein Elternteil lebt mit einem oder mehreren Kindern in einem Haushalt.

  • Die Patchworkfamilie

    Kinder leben zusammen, die nicht dieselben Elternteile haben. Pflegefamilien gehören ebenfalls dazu. Pflegefamilien nehmen Kinder für einen begrenzten Zeitraum auf, wenn diese nicht in ihrer Herkunftsfamilie bleiben können. Auch Kinderheime oder betreute Wohnanlagen können für Kinder eine Familie darstellen.

  • Die Regenbogenfamilie

    Hier gibt es keine heterosexuellen Elternteile. Kinder haben oft mehrere Väter oder Mütter.

  • Die soziale Elternschaft

    Menschen übernehmen Fürsorge und Verantwortung für Kinder, ohne selbst eigene Kinder zu bekommen.

  • Die Co-Elternschaft

    Menschen bekommen gemeinsam ein Kind, obwohl sie nicht in einer Liebesbeziehung stehen. Manchmal kommt auch eine weitere Person aus einer Liebesbeziehung hinzu.

  • Die Herkunftsfamilie

    Jeder von uns wird in eine Herkunftsfamilie hineingeboren. Leider erleben manche dort Abwertung oder Gewalt. Deshalb ist die Wahlfamilie für viele wichtig.

  • Die Kleinfamilie

    Besteht aus zwei Generationen – Eltern und einem oder mehreren Kindern.

 
Familienbilder im Wandel der Zeit

Familienbilder im Wandel der Zeit

Mittelalter: Sippschaften im Fokus

Damals zählte nur die biologische Verwandtschaft, die als „Sippe“ bezeichnet wurde. Jede Sippe hatte ein Oberhaupt. Heiraten durften nur Menschen aus der gleichen sozialen und wirtschaftlichen Schicht. Die Ehe wurde weniger aus Liebe geschlossen, sondern diente der Macht und der Eigentumsvermehrung.


Christentum: Das Ideal der richtigen Lebensform

Traditionell wird in der katholischen Kirche die Ehe als Sakrament und Grundlage für das christliche Leben gesehen, das von Verantwortung, Zusammenhalt und der Weitergabe des Glaubens geprägt ist. Die Ehe erhielt unter den Aspekten eine neue, tiefere Bedeutung. Im Laufe der Zeit entstand die „Haushaltsfamilie“ als Familienform, die zugleich eine Wirtschaftseinheit bildete. Der Vater war das Oberhaupt, dessen Wort Gesetz war. Zur Haushaltsfamilie gehörten neben der Verwandtschaft auch Knechte und Mägde.

Während der Vater nach außen wirkte und öffentliche Ämter wahrnahm, organisierten die Frauen den Haushalt und die Erziehung. Ehen, die auf Liebe basierten, durften nur bestehen, wenn sie in die Hausgemeinschaft passten und zu deren Fortbestand beitrugen. Damals gab es keine Familiennamen, sondern Hausnamen, die die Häuser kennzeichneten.


Nationalsozialismus: Instrumentalisierung der Familie

Im Nationalsozialismus orientierte sich das Familienbild an der rassistischen Ideologie: also früh heiraten und möglichst viele Kinder bekommen. Glück und Liebe waren nur erlaubt, wenn keine „Rassenmischung“ stattfand. Frauen sollten keine Berufe ausüben, sondern ausschließlich Mütter sein. Die bäuerliche Großfamilie galt als „perfekte“ Familienform, eingebettet in die Staatsideologie. Kinder sollten vom Staat geprägt werden, um den „arischen Nachwuchs“ zu sichern. Im „Lebensborn“-Programm wurden Kinder „gezüchtet“ und von der SS erzogen.


Nachkriegsfamilien: Rückkehr zur traditionellen Kleinfamilie

Nach dem 2. Weltkrieg waren viele Familien in Deutschland zerrüttet. Anfangs mussten viele Frauen berufstätig sein, meist weil männliche Arbeitskräfte fehlten. Als dieser Mangel behoben war, wurden Frauen wieder aus der Arbeitswelt gedrängt. Es entstand die Kleinfamilie mit 2 Generationen und eigenem Haus: der Vater als Ernährer und Familienoberhaupt, die Mutter als Erzieherin und Hausfrau. Medien wie Presse, Werbung und Serien unterstützten dieses Familienbild, das über Jahrzehnte Bestand hatte.


 

Wozu ist Familie da?

Die Familie ist in unserem und anderen Kulturkreisen ein grundlegendes soziales Netzwerk, das jedem Einzelnen Sicherheit, Geborgenheit und Unterstützung bietet. So zumindest die Idealvorstellung.

Familien zeichnen sich durch emotionale Bindung, soziale und psychische Entwicklung sowie Erziehung und Fürsorge aus. Innerhalb der Familie werden Werte, Traditionen und soziale Kompetenzen vermittelt.

Zudem übernimmt die Familie eine wichtige Rolle bei der Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden. Sie bietet Schutz in Krisenzeiten und hilft, Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen.

 
Was ist Familie heute?

Fazit: Was ist Familie heute?

Heute sind die Familienbilder vielfältig, lebendig und geprägt von gegenseitiger Fürsorge – ganz gleich, wie die Familie zusammengesetzt ist.

“Familie” ist kein starrer Begriff mehr und legt den Fokus auf die emotionale Ebene statt auf materielle Aspekte. Ehen werden seltener zweckmäßig geschlossen – wenn, dann aus Liebe. Paare bleiben nicht mehr nur aus Imagegründen, finanziellen Faktoren oder wegen der Kinder zusammen. Alleinerziehende und Singles erhalten heute vielfältige Unterstützung.

So bedeutet für uns die heutige Familie v.a. Verbundenheit, Vertrauen und Miteinander.

Svenja Gleffe – Redaktion Deutsche Lebensbrücke

Svenja schreibt als ausgebildete Pädagogin über kindliche Entwicklung und unterstützt unsere Redaktion mit fundierten Fachtexten. Ihr Motto: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen!“ (Aristoteles)

Co-Autorin: Tamara Niebler, freie Journalistin und seit mehreren Jahren Teil des Redaktionsteams der Deutschen Lebensbrücke.

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