Autismus bei Kindern erkennen und damit leben

Autismus ist keine Krankheit im herkömmlichen Sinn. Aber Autisten sind Menschen mit komplexen multiplen Besonderheiten in Verhalten, Wahrnehmung und Kommunikation. Je früher ein autistisches Kind richtige Unterstützung bekommt, desto leichter tut es sich in seiner Entwicklung. Und desto besser klappt auch das Familienleben.

 

Autismus früh erkennen

„Ist mein Kind autistisch – oder steckt vielleicht etwas anderes dahinter?“

Schon diese Frage ist problematisch und birgt unter Umständen ein Missverständnis. Denn Autismus ist kein einzelnes Symptom, sondern ein komplexes Profil aus Kommunikations-, Wahrnehmungs- und Verhaltensbesonderheiten.

Autismus ist auch keine Krankheit im herkömmlichen Sinn. Aber Autismus (Autismus-Spektrum-Störung, ASS) wird in Deutschland als Behinderung anerkannt.

 

Was sind die red flags?

Es gibt eine Reihe von red flags, die aber vor allem bei leichtem Autismus nicht zwingend und nicht alle vorhanden sein müssen:

  • atypischer Blickkontakt (zu wenig, zu intensiv oder „am Gesicht vorbei“)

  • besondere Routinen, Rituale oder Fixierungen

  • Schwierigkeiten mit bestimmten gängigen sozialen Regeln („Sag Hallo“, „Warte ab“, „Jetzt bin ich dran und dann du“)

  • wortwörtliche Sprachverarbeitung (Ironie und Scherze als Form einer /Metakommunikation sind nur begrenzt erfassbar)

  • sensorische Besonderheiten (Licht, Geräusch, Stoffe, Gerüche)

  • starke Interessen (s.g. „Inselbegabungen“)

  • Überforderung in Gruppen

  • späte oder ungewöhnliche Sprachentwicklung (absolut nicht zwingend!)

  • motorische Besonderheiten oder Unruhe

 

Differenzialdiagnosen bzw. häufige Verwechslungen

  • ADHS (und zwar vor allem bei Mädchen)

  • Hochbegabung (sozial selektiv, wenig Interesse an Peergruppen)

  • Trauma/Bindungsstörung

  • Sozialphobie

  • Sprachentwicklungsstörung

  • Zwangsspektrum

  • Depression (bei älteren Kindern)

  • Sprachbarrieren in einer fremden Sprache (wird leider häufig fälschlich als Autismus eingestuft)

  • Mädchen im „Masking“ oder „Camouflaging“, d.h. die bewusst oder unbewusst die eigentliche autistische Art und Weise zu denken, zu fühlen und zu reagieren verbergen (sie kompensieren sozial extrem, brechen zuhause zusammen)

 

Wenn Du als Mutter oder Vater bei Deinem Kind mehrere dieser red flags erkennst, ist es gut, Dir fachliche Beratung und Hilfe zu holen. Unter Umständen kannst Du zunächst mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt sprechen.

Wenn Dein Kind dort regelmäßig untersucht wird, erkennen sie in der Regel, wie sich das Kind entwickelt und ob es noch andere gesundheitliche Probleme hat. Sie oder er kann auch an weitere Fachleute überweisen, etwa wenn ein Kind eine besondere Untersuchung braucht.

Natürlich kannst Du Dich auch direkt an eine psychotherapeutische oder psychiatrische Einrichtung für Kinder und Jugendliche wenden. » Hilfsstellen

 

Wichtig: Keine Angst vor Untersuchung und Diagnose. Sie ist in keinem Fall ein Stigma, sondern eine Anleitung, wie das Kind besser begleitet werden kann. Sowohl das Kind als auch die Eltern und das Umfeld sind entspannter, wenn das Kind therapeutisch begleitet wird.

 

Autismus-Spektrum-Störung

Autismus wird heute meist unter „Autismus-Spektrum-Störung“ (ASS) zusammengefasst, aber die klinischen Profile unterscheiden sich.

 
Häufige Formen & Manifestation

Häufige Formen & Manifestation

Klinische Autismus-Profile

  • frühkindlicher Autismus (manifest ab 1–3 Jahren)

  • Asperger-Profil (oft Sprachentwicklung unauffällig, Auffälligkeiten erst im Kindergarten/Schule)

  • Atypischer Autismus (Diagnose später, Symptomatik „uneinheitlich“)

  • mit/ohne kognitive Beeinträchtigung

  • mit/ohne Sprachbeeinträchtigung

  • mit Komorbiditäten (ADHS, Angst, Depression, Zwang, Lernstörungen → sehr häufig!)

 

Achtung: Mädchen werden statistisch bis heute später erkannt (aufgrund von Masking/Copying), häufig erst ab 8–12 Jahren oder in der Jugend oder sogar erst im Erwachsenenalter!

 

Asperger. Der High-Functioning Autismus (Hochfunktionaler Autismus (HFA)

Das klinische Bild eines Asperger- Kindes ist gekennzeichnet durch

  • durchschnittliche bis hohe Intelligenz

  • deutlich bessere sprachliche Entwicklung als bei frühkindlichem Autismus

  • auffällige Pragmatik (Ironie, Metaphern, Kontextsignale werden spät/anders gelernt)

  • Reizoffenheit (Geräusche, Licht, Gerüche, Stoffe)

  • exekutive Schwierigkeiten (Organisation, Übergänge, Zeitgefühl)

  • hochspezifische Interessen (intensiv, aber nicht zwingend „sonderbar“, oft wissenschaftlich/technisch/kreativ)

  • sozialer Kontakt möglich, aber energieintensiv („social battery“)

  • Masking/ Camouflaging sind besonders verbreitet

 

Masking (Autismus bei hoher kognitiver Kapazität):

  • Kompensationsstrategien (Blickkontakt imitieren, Mimik kopieren, Skripte für Gespräche, Ironie technisch analysieren)

  • kurzfristig sozial funktional, langfristig erschöpfend

  • Masking → späte Diagnosen (bes. bei Erwachsenen und Frauen)

  • oft Komorbiditäten: Ängste, Depression, Burnout-ähnliche Erschöpfung

 

Aber auch hier gibt es die unterschiedlichsten Abstufungen. Deshalb werden Asperger und Masking in leichten Fällen oft nicht diagnostiziert, sondern als „Besonderheit“ oder gar „Macken“ abgetan. Das trifft leider besonders oft bei Mädchen zu.

 

Mädchen & Autismus – warum wird das so oft übersehen?

Bei Mädchen wird Autismus oft “übersehen”

Das sind die Gründe für die Diagnostikverzerrung:

  • historisch männliche Fallbeschreibungen

  • „sozial kompetente“ Kompensation bei Mädchen (z.B. höflich, nachahmend, unauffällig)

  • Interessen nicht auffällig („Pferde“, „Lesen“, „My Little Pony“) wirken neurotypisch, sind aber oft genauso intensiv wie „Züge/Technik/Mathe“ bei Jungen

  • internalisierende Strategien statt externalisierender (weniger Wutausbrüche, mehr Rückzug/Perfektionismus)

  • viel Masking + Perfektionismus → spätere Erschöpfung in Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter

 

Symptome, die bei Mädchen eher gesehen werden müssten

  • extreme Anpassung an Peers, sozialer Stress

  • hoher Energieaufwand, um „normal“ zu wirken

  • sensorische Empfindlichkeiten

  • Schlafprobleme

  • selektive Essmuster (Textur, Geruch, Rituale, Marken)

  • emotionale Überflutung / Meltdowns zuhause statt in der Schule

 

High-Functioning + Alltagstauglichkeit: „Was ist erlernbar, was bleibt Struktur?“

Was Autisten typischerweise lernen können:

  • soziale Codes (technisch analysierbar, trainierbar)

  • Ironie, Sarkasmus (aber noch nicht beim kleinen Kind, sondern erst später, und dann oft semantisch)

  • Perspektivübernahme (kognitiv → emotional kommt langsamer oder bleibt anders)

  • Routinen flexibilisieren (aber mit Vorwarnung/Planung)

  • Selbstvertretung („advocacy“) – enorm hilfreich in Schule/Beruf

  • Konfliktregeln („Spielregeln“ sind erlernbar, implizite Erwartungen schwerer)


Was nicht “wegtrainiert” werden sollte, weil das neurobiologische Grundparameter sind und keine „Fehler“

  • sensorische Empfindlichkeiten

  • Spezialinteressen (sie sind oft Stärke & Coping zugleich)

  • Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit & Klarheit

  • direkte Kommunikation

  • Rückzugszeiten


 

Alltag in Kindergarten/Schule

Eine der ersten Fragen, wenn bei deinem Kind Autismus diagnostiziert wurde, ist wohl die Frage nach der richtigen Bildungseinrichten, also Kindergarten und Schule. Hier gilt nicht automatisch „autistisch → Förderschule“, sondern es geht darum, die individuell richtige Form zu finden, die am besten zu meinem Kind passt und in die sich mein Kind am besten einpassen kann.

 

Beim Kindergarten solltest du auf Folgendes achten:

  • verlässliche Bezugsperson

  • kleine Gruppen

  • klare Rituale

  • visuelle Kommunikation wird gut eingesetzt

  • Konflikte werden nicht moralisch, sondern praktisch gelöst („Was brauchst du gerade?“)

Unter Umständen wird sich dein autistisches Kind in einem inklusiven Kindergarten am wohlsten, weil sichersten fühlen.

 

Schule: Auf diese Punkte kommt es besonders an

  • mentale Gesundheit des Kindes

  • IQ/Leistungen (Teilleistungsstörungen beachten)

  • Interesse des Kindes

  • sensorische Belastung (Lautstärke)

  • Gruppendynamik

  • Struktur

  • sonderpädagogische Ressourcen


Förderschule kann sinnvoll sein, wenn an einer Regelschule

  • massive Reizüberlastung

  • sozialer Ausschluss

  • und hoher Unterstützungsbedarf zusammenkommen. Hier kann eine Assistenz helfen, aber die ist leider nicht immer und überall zu bekommen.


Regelschule kann sinnvoll sein, wenn das Kind

  • kognitiv stark ist

  • wenige Verhaltensbesonderheiten aufweist und

  • die Schule kooperationsbereit ist.

 

Inklusionsschulen/Montessori-/Reggioschulen

Eine tolle, jedoch nicht überall vorhandene Alternative sind Inklusionsschulen/ Montessori-/ Reggioschulen.

Aber auch hier musst du achtgeben. manche Autisten profitieren von dem strukturarmen Umfeld, andere kollabieren.

 

Hochfunktionaler Autismus im Setting Schule/Kindergarten

Problemfelder für Kinder mit HFA

  • Gruppendynamik (laut, wechselnd, implizite Regeln)

  • Aufgaben ohne Struktur („macht einfach mal…“)

  • Pausenhof (unkodiert, sensorisch und sozial maximal schwierig)

  • Teamarbeit ohne Rollenklarheit

  • wechselnde Lehrkräfte

  • unklare Kritik („du musst sozialer sein“ ist keine Instruktion)

 

Voraussetzung für einen gelingenden Kiga/Schulalltag

  • klare Erwartungsansagen in 1-2 Sätzen

  • definierte Rolle zuweisen (z.B. „du schreibst jetzt Protokoll“ statt „macht das zusammen“)

  • visuelle Struktur (Piktogramme, Bulletpoints, kurze To-dos)

  • sensorische Schutzmöglichkeiten (Kopfhörer, Ecke, Gang)

  • feste Pausen zur Reizreduktion

  • Direktkommunikation erlaubt“ (viele Lehrer*innen meinen es gut, aber reden indirekt , das für beim HFA Kind zu Chaos)

 

Förderschule oder Regelschule?

Das hängt bei HFA Kindern weniger von Intelligenz ab als von

  • sensorischer Reizlast

  • sozialem Druck

  • Masking-Aufwand

  • Lehrkompetenz im System


Für HFA ohne kognitive Einschränkungen ist die Förderschule oft zu wenig herausfordernd, aber gleichzeitig ist die Regelschule zu ungepuffert. Sie funktioniert, wenn diese Plus-Punkte gegeben sind:

  • integrativ mit Assistenz

  • Schulpsychologie im Boot

  • Anpassung statt Aussonderung

 

Wie geht es eigentlich den Eltern und Geschwistern?

Bis jetzt haben wir uns mit dem autistischen Kind befasst. Aber für Eltern und Geschwister ist das Leben mit einem Autisten auch alles andere als „easy peasy“. Die Eltern fühlen sich oft überfordert, die Geschwister können zu Schatten- oder Glaskindern werden.

Überforderung bei den Eltern entsteht z.B. durch folgende Stressoren

  • Diagnostik-Odyssee

  • fehlende Hilfen

  • Rechtsträger-Dschungel (Kostenträger, Integrationshilfe, Eingliederungshilfe usw.)

  • Erklärungsbedarf gegenüber Außenwelt („aber er wirkt normal…“)

  • Schuldzuweisungen („ihr erzieht falsch“)

  • soziale Isolation

  • Erwartungsdruck („Trainiere das Kind normal“)

  • ständige Moderation von sozialen Situationen

  • Perfektionismus/Masking führt zu „klug + trotzdem schwierig“

  • Termin-Inflation (Therapien, Diagnostik, Schule)

 

Belastungsmarker

dafür, ob du überfordert bist:

  • chronische Erschöpfung

  • Paarkonflikte

  • Wut/Scham-Mischungen

  • Vermeidungsverhalten („Wir gehen nirgendwo mehr hin“)

Achtung: Hier droht Burnout

  • Hyper-Advocacy (alle Kämpfe alleine durchstehen)

  • Schuldzuschreibungen („Erziehung!“)

  • Vergleich mit neurotypischen Familien

  • geringe Pausen

 

Was hilft:

  • niedrigschwellige Psychoedukation

  • Austausch mit anderen Eltern (entlastet sofort)

  • Abgrenzung gegen gut gemeinte Ratschläge

  • klare Rollen (wer kümmert sich um was)

  • frühzeitige Hilfen (nicht warten!)

Elternfehler, die langfristig  sowohl dir als auch dem Kind schaden:

  • überanpassen („unser Kind darf nie frustriert werden“)

  • unteranpassen („Hör auf dich so anzustellen“)

  • sozialer Rückzug

  • Perfektionismus („wir müssen das optimal machen“)

 

Damit haben Geschwister zu kämpfen

  • Sie sind oft „Emotional Manager“ des Systems

  • lernen früh Diplomatie und Konfliktminimierung

  • die Gefahr dabei: Parentifizierung – sie übernommen die Rolle der Eltern

  • der Vorteil: Empathie + Diversitätssensibilität

Schutzfaktoren für Geschwister

  • exklusive Zeit für das Geschwisterkind (ohne Autismus)

  • Erklärungen auch für die Geschwister altersgerecht geben

  • Entlastung von „Moderationsaufgaben“

  • Baue bitte keinen Mythos vom „Stark sein müssen“ auf

 
Angebote von fachlichen Hilfen

Du bist nicht allein!

Angebote von fachlichen Hilfen

Es gibt inzwischen eine Vielzahl von fachlichen Hilfsangeboten, für die du wenn nötig finanzielle Unterstützung erhältst.


Kinder- und Jugend-Psychiatrie

Die Fachärzt*innen können Autismus bei Kindern und Jugendlichen diagnostizieren und auch behandeln, psychotherapeutisch oder medikamentös. Sie haben entweder eine eigene Praxis oder arbeiten in Kliniken, psychiatrischen Institutsambulanzen oder Sozialpädiatrischen Zentren. Sie können psychotherapeutisch behandeln und Medikamente verschreiben.


Kinder- und Jugend-Psycholog*innen/Psychotherapeutinnen

Die Therapeut*innen diagnostizieren und behandeln vor allem Begleiterkrankungen, die Kinder und Jugendliche mit Autismus haben. Das können etwa Essstörungen, Angststörungen oder eine Depression sein. Manche Praxen für Psychotherapie bieten auch die Behandlung von Autismus an


Autismusambulanzen/Autismus-Therapie-Zentren

Hier werden Menschen mit Autismus behandelt, unterstützt und begleitet. Dort arbeiten beispielsweise Fachleute aus Psychotherapie, Heilpädagogik und Ergotherapie.


SPZ (Sozialpädiatrische Zentren)

In diesen Zentren wird Kindern und Jugendlichen geholfen, mit ihrer Erkrankung oder Behinderung zurechtzukommen. Autismus kann dort auch diagnostiziert werden. Im SPZ arbeiten zum Beispiel Fachleute für Kinder- und Jugendmedizin, Psychotherapie, Ergotherapie und Physiotherapie. Manche SPZ bieten auch direkt eine Autismus-Behandlung an.


Frühförderstellen oder -zentren

Sie unterstützen kleine Kinder mit Autismus und ihre Eltern bis zum Schuleintritt. Hier arbeiten Fachkräfte aus der Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie, Bewegungstherapie, Psychologie und Heilpädagogik zusammen. Sie fördern die Entwicklung des Kindes und helfen den Eltern, mit den Herausforderungen umzugehen.


Natürlich findest du auch direkt bei Logopäd*innen und Ergotherapeut*innen Hilfe. Die Logopädie unterstützt bei Sprachproblemen, die Ergotherapie hilft dabei, Reize besser zu verarbeiten und im Alltag besser zurechtzukommen, bei Tätigkeiten wie Essen und Anziehen, aber auch bei der Konzentration.

 

Und wie verhalte ich mich als Elternteil am besten?

Helfen statt Helikoptern

Viele Eltern pendeln zwischen Überfürsorge und „Mach das jetzt alleine!“. Bei Autisten wirkt beides schnell toxischer als bei neurotypischen Kindern, denn wenn die Eltern zu viel übernehmen, bildet das Kind weniger Bewältigungsstrategien. Eine Überforderung hingegen kann zu einem Shutdown, Meltdown oder Rückzug führen.


Eine gute Maxime:

Unterstützen in der Struktur – fordern in der Kompetenz

Das bedeutet z.B.

  • erstmal klar vorstrukturieren (Plan, Zeit, Regeln)

  • dann eigenständig durchführen lassen

  • und nur bei konkretem Stolperpunkt eingreifen (Nicht: „Ich erledige alles“)

Hilfreich dabei sind für alle

  • visuelle Pläne

  • soziale Skripte (wie spiele ich? wie frage ich etwas?)

  • Priorisierung (nicht alles gleichzeitig verändern)


 

Wo beantragst du welche Leistungen?

  • Eingliederungshilfe —> Jugend- oder Sozialamt

Eingliederungshilfe zahlt z.B. Autismus-Therapie, Frühförderung, Schulbegleitung und Entlastung für Familien wie den Familienunterstützenden Dienst oder einen Erziehungsbeistand.

Das Amt legt den Grad der Behinderung fest. Je nach Grad der Behinderung gibt es Vergünstigungen oder finanzielle Erleichterungen.

Übernahme der Kosten für medizinische Leistungen —> Krankenkassen/Pflegekassen  Hier erhältst du Unterstützung, wenn dein Kind medizinische und/oder pflegerische Leistungen braucht.

 

Keine Ratgeberromantik:

Zum Schluss ein paar praktische, alltagstaugliche Tipps


Kommunikation

  • klare Sprache, sag, das du meinst

  • Dinge sagen statt erwarten

  • Vorwarnzeiten („in 5 Minuten machen wir das und das“)

Struktur

  • visuelle Wochenpläne

  • Rituale für Übergänge (sehr wirksam)


Sensorik

  • Köpfhörer, Sonnenbrille, weiche Kleidung, Essroutine

  • Bitte keine Ironisierung des sensorischen Leidens („stell dich nicht so an“)

Soziaverhalten

  • Micro-Skills gezielt gechillt einzeln üben (Begrüßen, Verabschieden, Reihenfolge, Pausensignale)


Energiehaushalt

  • Rückzug akzeptieren

  • Ein „social budget“ planen, analog zu Zeit oder Geld

Spezialinteressen

  • nutzen statt unterdrücken – sie sind oft Hinweise auf eine spätere berufliche Laufbahn bzw. helfen dem Kind dabei, mit den Alltagsanforderungen zurechtzukommen


MaJa Boselli

MaJa hat Romanistik und evangelische Theologie studiert. Sie schreibt seit über 20 Jahren Fachartikel im sozialen Bereich. Von praktischen Themen wie Kinderhilfe bis hin zur Sozialpolitik. Außerdem bloggt und twittert sie leidenschaftlich, seitdem es soziale Netzwerke gibt. Ihre Spezialität: so lange am Thema dranbleiben, bis allen alles klar ist. Ihr Motto: “ich schreibe, also bin ich.”

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