Kind beleidigt andere – So gehst du damit um
Wenn Kinder ihrer Wut sprachlichen Ausdruck verleihen können, fällt die Schimpfwortwahl kreativ aus. Vom „Salatkopf" bis zur „Kackwurst" ist alles dabei. Vielleicht hast du schon so eine Situation mit deinem Kind erlebt.
Beleidigungen am Fließband – das sind die Gründe
Falls dir oder vorurteilsbehafteten Menschen der Gedanke kommen sollte, dein Kind sei „nicht erzogen“ oder „da sei etwas schiefgelaufen“, können wir sagen: Es ist alles richtig gelaufen :-)
Kinder greifen auf Beleidigungen und Schimpfwörter zurück, sobald sie es sprachlich können, um ihre Emotionen auszudrücken. Die Autonomiephase ab dem 2. Lebensjahr schlägt sich in der Sprache nieder. Ein Kind möchte in dieser Phase vieles allein tun, unabhängig sein, ernst genommen und gehört werden.
Wenn du nach mehrmaliger Bitte den Fernseher ausschaltest, bist du plötzlich „doof“ oder noch Schlimmeres. Dein Kind kann das Verhalten noch nicht von der Person trennen. Es hält nicht dich für doof, sondern das Ausschalten des Fernsehers.
Der Grund für diese Beleidigung ist oft der Ruf nach Selbstständigkeit. Das Kind hätte gerne gefragt werden und selbst entscheiden wollen. Vielleicht kennst du das Gefühl von Wut, Hilflosigkeit und Ohnmacht – ein Gefühl, das dich noch wütender macht.
Genauso geht es deinem Kind.
Hier brauchst du es als Helfer, um zu trainieren, wie es richtig geht.
Kindern Alternativen aufzeigen
Es ist wichtig, deinem Kind Verständnis entgegenzubringen, auch wenn es dir schwerfällt.
Wenn dein Kind mit Schimpfwörtern und Beleidigungen um sich wirft, bleibe ruhig, statt mit Wut zu antworten. Setze klare Grenzen und mache deutlich, dass beleidigende Worte nicht in Ordnung sind. Wörter haben Macht und können andere verletzen wie körperliche Gewalt.
Zeige Freude, wenn sich dein Kind respektvoll und kooperativ verhält – so verstärkst du diese Verhaltensweisen positiv.
Kommunikation ist der Schlüssel
Wenn dein Kind wütend wird, kannst du sagen: „Das ist eine starke Art zu zeigen, dass du wütend bist. Ich sehe, dass dir nicht gefällt, dass… Ich kann das aushalten und dir helfen, damit umzugehen. Wörter haben Kraft, wie die Muskeln in unseren Armen. Es gibt Wörter wie das, das du gerade gesagt hast, die andere verletzen können – so sehr, als würden wir sie schubsen oder hauen. Lass uns schauen, wie wir wütend sein können, ohne anderen weh zu tun."
Eine klare, beispielhafte, kindgerechte und bildhafte Erklärung ist wichtig. Ein einfaches „Das sagt man nicht" bringt nichts, denn dein Kind ist wütend.
Stelle klare Regeln auf – idealerweise mit deinem Kind. Beruft eine „Familienkonferenz" ein, in der Anliegen besprochen, Ausflüge geplant, die Woche reflektiert und Rituale sowie Regeln aufgestellt werden. Mehr erfahren » Familienregeln
Lasst euer Kind mitentscheiden und nehmt es ernst. Eine Familienkonferenz bietet den geschützten Rahmen, damit dein Kind seine Autonomie trainiert und sich in der Kommunikation erprobt.
Umstrukturierung der Kommunikation
Praktische Beispiele:
Ich-Botschaften: Ersetzt Satzanfänge wie „Du bist …" durch „Ich bin wütend, weil…"
Grenzen setzen: Folge jeder Beleidigung mit „Stopp! Das möchte ich nicht hören!" Untermauere das Wort „Stopp" mit einem Handzeichen. Übersetze die Beleidigung in einen konstruktiven Satz: „Du möchtest fernsehen und ich habe den Fernseher ausgemacht. Das findest du doof."
Nachfragen: Wenn dein Kind nicht mehr wütend ist, setze dich zu ihm und sage: „Mir ist wichtig, dass wir lieb zueinander sind. Dir auch? Du kannst mir sagen, dass du wütend bist und es doof findest, dass ich den Fernseher abgeschaltet habe."
Diese drei Schritte funktionieren selten nach der ersten Umsetzung. Bleibe mit Kontinuität, Ausdauer und Geduld am Ball.
Beleidigen vs. Gefühle rauslassen
So hilfst du deinem Kind
Wie ausführlich kannst du Gefühle benennen? Häufig verwechseln wir „gut“ und „schlecht“ mit echten Gefühlen. Eine Gefühlsuhr hilft – bastelt sie selbst oder druckt sie aus. So seht ihr jederzeit, wie es dem anderen geht, und nutzt die Uhr als Formulierungshilfe. Das System funktioniert auch beim Thema „Bedürfnisse".
Praktische Maßnahmen:
Rot/Grün-Ampel: Stellt eine Ampel auf, die zeigt, wie Wut zu Hause rausgelassen werden darf und welche Maßnahmen verboten sind. Beispiele: Schreien, Stampfen, Rennen, in ein Kissen schlagen, in einen Behälter schreien, Papier reißen.
Atemübungen: Macht Atemübungen zur Nervensystemregulation. Beliebt ist die 4-7-8-Atmung (4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden halten, 8 Sekunden ausatmen).
Mit Schimpfwörtern spielen: Schreibt verbotene Wörter auf und verwahrt sie in einer Dose. Ihr könnt sie hinunterspülen oder verbrennen. Wenn jemand eines der verbotenen Wörter nutzt, folgt eine Konsequenz wie Tisch abräumen oder Spülmaschine einräumen. Alternativ kreiert ihr aus den Buchstaben neue, positive Wörter.
5 goldene Schritte zur Entmachtung von Schimpfwörtern
1. Nachfragen
Situation: Deinem Kind fällt der Schokoriegel herunter und du hörst: „Du dumme Kuh, jetzt kann ich den nicht mehr essen."
Deine Reaktion: „Das ist schade. Aber warum sagst du das zu mir? Dir ist der Schokoriegel heruntergefallen. Da mich dieser Satz traurig macht, kaufe ich dir keinen neuen."
2. Erklären lassen
Situation: Dein Kind probiert ein neues Schimpfwort aus, als du sagst, dass alle vom Tisch aufstehen: „Du alte Pisskuh!"
Deine Reaktion: „Was bedeutet dieses Wort?" (mit interessiertem, vorwurfsfreiem Blick)
3. Verdeutlichung der Folgen
Situation: Du sagst deinem Kind, dass die Zeit für die Spielkonsole abgelaufen ist: „Du dumme Kacktusse, ich hasse dich!"
Deine Reaktion: Schaue deinem Kind ernst in die Augen: „Kannst du dir denken, dass mich das verletzt?"
4. Regel formulieren
Situation: Deine Kinder streiten sich: „Du doofes Arschgesicht!"
Deine Reaktion: Schreite ein und mache deutlich: „Diese Worte möchte ich nicht mehr hören!"
5. Konsequente Handlung
Situation: Dein Kind nutzt das Schimpfwort erneut.
Deine Reaktion: Schicke dein Kind auf sein Zimmer: „Ich rede nicht mit dir, solange du dieses Wort benutzt."
Kindern kreative Alternativen bieten
Welche Schimpfwörter sind erlaubt? Hier sind Alternativen:
So ein Mist!
Dummer Penntag!
Käsige Hausaufgaben
So ein kreisch-heul-blödel Morgen
So eine Entengrütze!
Schwabbeliger Wackelpudding!
Informiere dein Kind regelmäßig, welche Schimpfwörter verboten und welche erlaubt sind. Mache die Konsequenzen klar und lebe die Regeln selbst vor.
Quellen
„Wie Eltern am besten reagieren, wenn Kinder beleidigend werden"; Autorin: Lena Marionneau
„Auf Beleidigungen und Schimpfwörter richtig reagieren"; Autorin: Dipl.-Päd. Uta Reimann-Höhn
„Kind beleidigt Eltern"; Autorin: K.L. (Mutter/Familienberaterin)

