Großes Herz für den kleinen Hunger

In den Frühstücksklubs der Deutschen Lebensbrücke essen sich deutschlandweit jeden Morgen rund 300 Kinder fit für den Schultag. Möglich wird das durch eure Spenden – und durch engagierte Frühstücksklub-Helfer*innen.

Eine davon ist Helga Pichlmeier. Gemeinsam mit ihrem Mann Hans ist sie von Anfang an im ersten Frühstücksklub in München dabei. Inzwischen seit über 15 Jahren!

 
Großes Herz für den kleinen Hunger

Damals waren die beiden das Hausmeisterehepaar der Grundschule im Münchner Hasenbergl.

Hans ist gelernter Koch – und er widmet sich liebevoll der Zubereitung leckerer Semmeln und Häppchen, die nicht nur schmecken, sondern auch ein echter Augenschmaus sind.

Tomatehälften, die aussehen wie Marienkäfer, lachende Käsebrote und Gurkengesichter, zum Beispiel. Helga richtet derweil das Frühstücksbuffet her, begrüßt jedes Kind beim Reinkommen mit Namen und wechselt mit allen ein paar nette und fröhliche Worte.

“Ich merke sofort, wenn ein Kind einen Kummer hat. Die Kleinen kennen mich ja, und wie oft habe ich schon Tränchen weggewischt und Mut gemacht.”

 

Die Kinder, die morgens – natürlich freiwillig – in den Frühstücksklub kommen, haben ganz unterschiedliche Elternhäuser.

Bei den einen reicht einfach die Zeit nicht für ein gemeinsames Frühstück, weil die Eltern schon sehr früh zur Arbeit müssen.

Und alleine isst kein Kind gerne. Bei den anderen ist wirklich nichts da, kein Geld und oft auf keine Fürsorge. Helga Pichlmeier:

“Ich kenne meine Kinder ganz genau. Die, die jeden Tag richtig ausgehungert herkommen, kriegen von mir immer noch eine Extraportion mit auf den Weg. Damit machen wir einen echten Unterschied, und das tut gut!”

 

Als während der Corona-Pandemie die Schulen geschlossen waren, galt das natürlich auch für alle Schulfrühstücksangebote. “Alles war dicht”, erinnert sich Helga Pichlmeier.

“Ich hab mich gefragt, wo kriegen die Kinder denn jetzt morgens ihr Essen her?”

Und so machten die Pichlmeiers einfach weiter. Packten für jedes Kind ein kleines „Sackerl“, ein Tütchen mit dem, was es sonst am liebsten aß. Das konnten die Kinder dann – mit Maske – abholen. Dieses Angebot war etwas ganz Besonderes, und in der Schule erinnern sich alle daran.

 
Helga Pichlmeier

Genau deswegen haben Helga und ihr Mann den Frühstücksklub nicht verlassen, als sie in Rente gegangen sind.

Eigentlich wäre letztes Jahr Schluss gewesen. Hans arbeitet nicht mehr als Hausmeister in der Schule, und die beiden hätten morgens einfach ausschlafen können. Aber nein!

Ich kann doch meine Kinder nicht alleine lassen”, sagt Helga. „Ich bin sowas wie eine Oma für sie.”

Also machen ihr Mann und sie weiter. Natürlich wohnen die beiden jetzt nicht mehr in der Hausmeisterwohnung – aber ihr neues Zuhause ist zum Glück nicht weit weg. Und so stehen Hans und Helga nach wie vor um sieben im Frühstücksraum und begrüßen die Kinder.

Ob die Eltern morgens einfach keine Zeit haben, wie bei Deniz. Oder keine Lust, wie bei Max. Oder ob die Mama nach der Scheidung einfach überfordert ist und Frühstück und Pausenbrot im Moment nicht auf die Reihe kriegt, wie bei Mia.

Hier im Frühstücksklub bei Helga und Hans erleben die Grundschüler ein ehrliches Stück Herzlichkeit, noch bevor der Unterricht losgeht. Hier sind alle gleich, egal, wo sie herkommen.

 


So fängt der Tag einfach gut an”, sagt Marco. “Danke, Frau Pichlmeier”, ruft Alisa und schlingt spontan ihre Arme um ihre Frühstücks-Oma. Die strahlt vor Glück.

“Wenn mich jemand fragt, warum wir das machen: jeden Morgen um sechs Uhr aufstehen, in die Schule laufen, alles herrichten, den Kindern anbieten und mit allen reden und lachen - ganz einfach: diese Brote schmieren macht unheimlich glücklich”,

sagt Helga Pichlmeier. Aber nicht nur sie ist glücklich, auch die Kinder. Nach einer halben Stunde Essen, Ratschen und Lachen starten sie satt und ausgeglichen in den Schultag.

Besser geht es nicht, davon ist Helga Puchlmeier überzeugt.

 
MaJa Boselli

MaJa hat Romanistik und evangelische Theologie studiert. Sie schreibt seit über 20 Jahren Fachartikel im sozialen Bereich. Von praktischen Themen wie Kinderhilfe bis hin zur Sozialpolitik. Außerdem bloggt und twittert sie leidenschaftlich, seitdem es soziale Netzwerke gibt. Ihre Spezialität: so lange am Thema dranbleiben, bis allen alles klar ist. Ihr Motto: “ich schreibe, also bin ich.”

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